Menschenbilder

Hellmut Butterweck, Journalist und Zeitzeuge

"Ich war immer eine freischwebende Existenz." Der Journalist und Autor Hellmut Butterweck

Hellmut Butterweck, geboren 1927, ist wohl einer der längstdienenden Journalisten Österreichs. 1953 heuerte Hellmut Butterweck als freier Mitarbeiter bei der katholischen Wochenzeitung "Die Furche" an, später wurde er Redakteur und Ressortleiter für Wissenschaft und Zeitgeschichte. Butterwecks letzter Text im Blatt erschien vor einigen Monaten. 73 Jahre für dasselbe Medium zu schreiben - das ist rekordverdächtig "Ich war immer eine freischwebende Existenz", erinnert sich der Publizist: "Und in der ,Furche' hat man viel Verständnis für mich aufgebracht, obwohl ich ein Freigeist war und mit der heiligen Kirche nicht viel am Hut hatte. Das war dem Kurt Skalnik, der 1953 de facto Chefredakteur des Blattes war, aber egal. Der Dr. Skalnik hat gesagt: "Butterweck, Sie sind ein gestandener Anti-Nazi - Sie gehören zur ,Furche'."

Ein gestandener Anti-Nazi war Hellmut Butterweck sein Leben lang. Am 30. Dezember 1927 in eine Künstlerfamilie hineingeboren, wuchs der wissbegierige junge Mann bei seiner Großmutter auf der Wieden auf. "Während der sogenannten Reichskristallnacht hatte ich mein politisches Initiationserlebnis", erinnert sich der Journalist und Autor: "Ich war elf und im Großen und Ganzen ein begeisterter Nazi-Bua. Aber als ich dann gesehen habe, wie der antisemitische Pöbel den ,Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläumstempel' im fünften Bezirk niedergebrannt hat, war das ein Schock. Am meisten hat mir vor dem antisemitischen Gejohle der Menge gegraust - das war einfach fürchterlich. Und dann sind alle Sympathien von mir abgefallen."

Mit dem nationalsozialistischen Ungeist und seinem Weiterwirken in der Zweiten Republik hat sich Hellmut Butterweck in seiner publizistischen Arbeit immer wieder auseinandergesetzt, etwa in seinem Theaterstück "Das Wunder von Wien", 1982 in der "Josefstadt" uraufgeführt, oder in seinem Buch "Nationalsozialisten vor dem Volksgericht Wien", einem 800-seitigen Standardwerk, in dem Butterweck in akribischer Kleinarbeit die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen dokumentiert hat.

2025 erschien Butterwecks Sachbuch "Der Ungeist der Stunde Null. Wie Österreich säte, was es heute hat" über den (Nicht-)Umgang mit der NS-Zeit nach 1945. Um das nationalsozialistische Erbe geht es auch im jüngsten Buch des heute 98-Jährigen - einem Roman mit dem Titel "Möglichkeiten". "In diesem Roman entwickle ich ein Gedankenspiel, das mich schon lange fasziniert", erklärt Butterweck: "Und zwar mit der Frage: Was wäre gewesen, wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte? Das Szenario, das ich entwickle: Das Dritte Reich wäre über die Jahrzehnte hinweg von innen heraus vertrocknet - und 1989 untergegangen, wie die DDR."

2016 erhielt Hellmut Butterweck den Preis für Publizistik der Stadt Wien, 2025 den Theodor-Kramer-Preis.

Service

Bücher von Hellmut Butterweck:

"Möglichkeiten", Roman, Bibliothek der Provinz, Weitra, 2026, 368 Seiten, 26 Euro, ISBN 978-3-99126-421-7

"Der Ungeist der Stunde Null. Wie Österreich säte, was es heute hat", Bibliothek der Provinz, Weitra, 2025, 24 Euro, ISBN: 978-3-99126-331-9

"Der Nürnberger Prozess. Die Richter spielten nicht mit", Czernin Verlag Wien 2022, ISBN-13 978-3-7076-0768-0

"Staat, wach auf! Warum die Wirtschaft einen externen Regulator braucht", Böhlau Verlag Wien 2019, ISBN-13 978-3-205-23262-9

"Nationalsozialisten vor dem Volksgericht Wien. Österreichs Ringen um Gerechtigkeit 1945-1955 in der zeitgenössischen öffentlichen Wahrnehmung", Studien Verlag 2016, 49 Euro, ISBN-13 978-3-7065-5480-0 (auch als E-Book erhältlich)

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