Wolfgang Müller-Funk

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Gedanken für den Tag

Zwischen Fortschritt und Dialektik der Aufklärung

Wolfgang Müller-Funk, Literaturwissenschaftler, zum 400. Todestag des Philosophen, Schriftstellers und Politikers Francis Bacon

"Heute beherrschen wir die Natur in unserer bloßen Meinung und sind ihrem Zwange unterworfen; ließen wir uns jedoch von ihr in der Erfindung leiten, so würden wir ihr in der Praxis gebieten." (Francis Bacon)

Das sind ungeheure und ungewohnte Töne. Eine Kampfansage an den Wissenschaftsbetrieb der Zeit. Man schreibt das Jahr 1603. Wir befinden uns in London und in der Ära von Königin Elisabeth. England ist auf dem Weg zur Weltmacht. Der 42-jährige Verfasser, Francis Bacon, ist kein Unbekannter, auch wenn es ihm lange nicht gelingt, sich politisch prominent zu platzieren, möchte er doch Elisabeth und später ihren Nachfolger James von seinem Projekt einer organisatorischen Transformation der Wissenschaft überzeugen. Eine rationalistische und empirische Methode schlägt er vor, die das antike Denken und die unproduktive Buchgelehrsamkeit der universitären Colleges hinter sich lässt, die Bacon aus eigener Anschauung kennt.

Als Politiker hat Bacon nur zeitweilig Erfolg. Lange bleibt sein Antichambrieren bei Hofe erfolglos. Immerhin kann er seit 1584 sein rhetorisches Talent als Abgeordneter des Parlaments beweisen, das sich in Dauerfehde mit dem Königshaus befindet, dem sich Bacon anzudienen versucht. Erst 1607 gelingt ihm ein kometenhafter politischer Aufstieg. Er wird zunächst zweiter Kronanwalt der neuen Großmacht, 1616 Mitglied des Staatsrates, 1618 Lordkanzler. Schon drei Jahre später wird er der Korruption bezichtigt und unehrenhaft entlassen.

In den politischen Zwangspausen schreibt Bacon Essays, eine utopische Erzählung ("New Atlantis") und das "Novum Organum", in dem er sein Lebensprojekt, die Erneuerung von Philosophie und (Natur-) Wissenschaft in Aphorismenform vorträgt. Aus dem Wissenschaftsreformator wird der erste Philosoph der Neuzeit, der die Wissenschaft in neue Bahnen lenken sollte.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Uday Bhawalkar
Bearbeiter/Bearbeiterin: Romina Lischka
Komponist/Komponistin: John Dowland 1563-20.02.1626
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Unbekannt
Album: Dhrupad Fantasia
Titel: Raga Mari - Now, o now
Gesamttitel: The first booke of songes or ayres (London, 1597) (Now, o now)
Solist/Solistin: Uday Bhawalkar
Ausführende: Hathor Consort
Leitung: Romina Lischka
Länge: 04:03 min
Label: Fuga Libera FUG 783 EAN: 5400439007833

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