Netzwerkstecker mit Glasfaser

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Digitale Souveränität

Wie es Europa gelingt, weniger abhängig von US-Tech zu werden

Nicolas Guillou, Richter am europäischen Strafgerichtshof, kann keine Hotels mehr buchen, nicht mehr im Internet bezahlen oder etwas bei Amazon bestellen. Sein digitales Leben wurde vergangenen August quasi über Nacht gelöscht. Denn er steht auf einer Sanktionsliste der USA und wurde von vielen digitalen Diensten gesperrt. Er hat sich in einem Interview mit der französischen Zeitung "Le Monde" als "Testperson für die mangelnde digitale Souveränität Europas" bezeichnet.

Für Europa war das ein Weckruf. Viele europäische Organisationen und Regierungen versuchen jetzt unabhängiger zu werden und eigene digitale Lösungen aufzubauen. Wie es in Europa um digitale Souveränität steht, was in diese Richtung schon passiert und ob es schnell genug geht - das fragen Irmi Wutscher, Ulla Ebner und Julia Gindl in dieser Matrix-Ausgabe.

Schleswig Holstein läuft auf Open Source

Es vergeht kaum ein Tag, an dem Dirk Schrödter, Minister für Digitalisierung des deutschen Bundeslandes, keine Anfrage bekommt: Wie habt ihr das gemacht? Denn Schleswig-Holstein hat mittlerweile beinahe die gesamte öffentliche Verwaltung auf Open Source Software umgestellt und sich damit weitgehend unabhängig gemacht von US-amerikanischen Tech-Riesen. Dirk Schrödter war kürzlich zu Gast in Wien auf der "Safe Democracy"-Konferenz. Ulla Ebner hat ihn gefragt: Wie bzw. warum hat Schleswig-Holstein das gemacht?

Kann Europa digital unabhängig werden?

Digitale Souveränität ist in Europa zum politischen Schlüsselthema geworden: Viele zentrale Dienste – von Betriebssystemen über Cloud bis zu Plattformen – kommen von wenigen, meist außereuropäischen Anbietern. Das wirft Fragen nach Kontrolle, Sicherheit und Abhängigkeiten auf, besonders dort, wo sensible Daten verarbeitet werden. Die EU und Verwaltungen reagieren: Abhängigkeiten sollen offengelegt, sensible Daten besser geschützt und europäische Alternativen – oft auf Open-Source-Basis – aufgebaut werden. Irmi Wutscher spricht darüber mit Daniel Hikes-Wurm aus dem Ministerium für Landesverteidiung. Und sie hat auf der Safe Democracy Konferenz Laura Dornheim von der Stadt München und Claus Haiden vom BRZ gefragt, wie es um die Datensouveränität in ihren Bereichen steht.

Die "Linux-Schule" in Dachsberg

Dass digitale Unabhängigkeit auch im Kleinen möglich ist, das zeigt ein Gymnasium in Oberösterreich. Die Schule versucht, ohne US-amerikanische Programme auszukommen. Warum und wie das funktioniert - Julia Gindl hat das Gymnasium in Dachsberg besucht.

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Safe Democracy Conference
Jeder erste Sonntag im Monat ist Digital Independence Day
Getting off US-Tech - a guide von Paris Marx
Gymnasium Dachsberg

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