AP/STR
Betrifft: Geschichte
40 Jahre Tschernobyl
Die Geschichte der zivilen Nutzung der Atomenergie. Mit: Susanne Rehn-Taube, Kuratorin der Abteilung Chemie und Frank Dittmann, Kurator der Abteilung Energietechnik, Starkstromtechnik und Automation, Deutsches Museum München.
20. April 2026, 15:55
1938 gelang Lise Meitner, Fritz Straßmann und Otto Hahn die erste Kernspaltung. Damit öffneten sie die Türe ins Atomzeitalter. Im Zuge der Entwicklung der ersten Atombombe erfolgte 1942 die erste kontrollierte Kettenreaktion in einem Atomreaktor. Die verheerenden Auswirkungen der Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki im Sommer 1945 führten zu einer großen Skepsis gegenüber der geplanten friedlichen Nutzung der Atomkraft. Deshalb versuchte man in den ersten Nachkriegsjahrzehnten, die Menschen mit viel Propagandaaufwand für die friedliche Nutzung der Kernenergie zu gewinnen. Das erste Atomkraftwerk, dass großflächig Strom erzeugte, ging 1954 in Obninsk in der Nähe von Moskau ans Netz. In den folgenden Jahrzehnten entstanden in Europa, Nordamerika und Asien hunderte Reaktoren, die als Garant für Versorgungssicherheit und wirtschaftliches Wachstum galten. 1979 erschütterte ein Unfall im Kernkraftwerk "Three Mile Island" die USA. Noch gravierender waren die Auswirkungen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986, in der damaligen Sowjetunion. Die Freisetzung großer Mengen Radioaktivität hatte ökologische, gesundheitliche und auch weitreichende politische Konsequenzen. Denn nun stieß der Bau von neuen Atomkraftwerken, zumindest in Europa, auf oft breiten gesellschaftlichen Widerstand. Bereits vorweg genommen wurde diese Entwicklung in Österreich. Eine Volksabstimmung 1978 verhinderte die Inbetriebnahme eines bereits fertig gestellten Atomkraftwerkes in Zwentendorf. In Bayern führten massiven Proteste gegen die Wiederaufbereitungsanlage von Brennstäben in Wackersdorf zur Einstellung des Projektes. Im März 2011 löste ein Tsunami eine Havarie im Kernkraftwerk Fukushima in Japan aus. In der Folge beschlossen einige Länder den Ausstieg aus der Kernenergie, andere investierten in sicherheitstechnische Nachrüstungen und neue Konzepte. Heute erlebt die Atomkraft eine Renaissance. Der Hintergrund dafür sind Klimaschutzargumente, wobei der Uranabbau und die Errichtung der Kraftwerke aus politischen Gründen nicht in die Ökobilanz eingepreist werden. Ein weiterer Grund, weshalb künftig wohl wieder mehr auf Atomkraft gesetzt wird, sind die aktuellen Russlandsanktionen, die die Energiepreise in die Höhe treiben - in Kombination mit einer enorm gestiegenen Stromnachfrage durch Großrechenzentren.
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