Diagonal
Zur Person: Florentina Holzinger
Sie zählt zu den wichtigsten Performancekünstlerin Europas und vertritt Österreich ab Anfang Mai bei der Kunstbiennale in Venedig. In ihren Shows treibt die 40jährige den meist nackten Körper bewusst und provokativ an die Grenzen und damit auch das Publikum.
2. Mai 2026, 17:05
Performerinnen, die sich Metallhaken durch die Haut stechen, baumeln von der 8 Meter hohen Theaterdecke. Stunts mit schwebenden Helikoptern, schweren Motorrädern und der Austausch von Intimitäten und Körperflüssigkeiten auf der Bühne zählen zur spektakulär feministischen Ideen-Ausstattung einer der radikalsten Künstlerinnen der Gegenwart.
Unter dem Titel "Seaworld Venice" wird Holzinger den historischen Josef-Hoffmann-Pavillon in den Giardini und auch Teile im venezianischen Stadtraum bespielen. Mit einem extremen Unterwasser-Themenpark und einigen Trigger-Warnungen muss die Kunstbiennale-Welt wohl rechnen, wenn Florentina Holzinger und ihr Team die ökologische Apokalypse performen.
Der Zusammenprall von menschlichen Körpern und Maschinen ist klar ein politisches und künstlerisches Leib- und Leitmotiv von Holzinger - auch demnächst, wenn sie ein aktionistisches "Pfingstspiel" im Rahmen der Wiener Festwochen im Auftrag der Nitsch-Foundation inszeniert.
Den Körper als Spektakel und Selbstdisziplinierung im klassischen Ballett hat Florentina Holzinger bereits in ihrer "Tanz"-Trilogie kritisiert und damit gegen traditionelle Frauenbilder rebelliert. In ihrem aktuellen Horror-Musical "A Year Without Summer" verbindet sie Schmerz, Scheiße und KI-Pflege im Alter mit einem historischen Vulkanausbruch.
Ihre kirchenkritische Interpretation der Oper von Paul Hindemith sorgte für Erste-Hilfe-Einsätze und Entsetzen: Nonnen, die sich sexuell befreien und kopfüber als Glockenklöppeln schwingen, erregten Aufsehen.
Beeinflusst u.a. von der Performancekunst der 1960er-Jahre, dem Wiener Aktionismus, Christoph Schlingensief sowie von Trash und Pop, studierte die Choreografin an der School for New Dance Development in Amsterdam.
In einem Gespräch, das Petra Erdmann mit Florentina Holzinger führt und mit Beiträgen von Christin Scheucher, Hannah Balber und Christian Fuchs blickt Diagonal auf einen präzisen und viel diskutierten Werkkosmos.
Service
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Sendereihe
Gestaltung
- Petra Erdmann
