Demonstration, 1. Mai, Frau schwengt rote Fahne, Arbeiterbewegung

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Punkt eins

Wer vertritt die Arbeiter:innen?

Die Arbeiterbewegung heute, der Wandel der Arbeit und die Zukunft der Sozialdemokratie. Gäste: Dr. Eric Miklin, Assoziierter Professor für Österreichische Politik, Universität Salzburg & Paulus Wagner, PhD, Politikwissenschaftler und Soziologe, Universität Wien, Center for European Studies, Harvard University. Moderation: Marina Wetzlmaier. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Am 1. Mai, dem Tag der Arbeit, werden die Erfolge der Arbeiterbewegung gefeiert und ihre Anliegen formuliert; Gewerkschaften mobilisieren, die Sozialdemokratie lädt zu Feiern und Aufmärschen. 1890 hatte die Sozialistische Internationale den 1. Mai zum Kampftag der Arbeiterbewegung ausgerufen. Wer sind die Arbeiter:innen heute, was bewegt sie und wie sehr fühlen sie sich von der Sozialdemokratie vertreten?

Zu einem internationalen Gipfeltreffen der Sozialdemokratie lud Spaniens Premierminister Pedro Sánchez am 17. und 18. April. An die 5.000 Gäste folgten der Einladung nach Barcelona - darunter Politiker:innen aus 40 Ländern und Vertreter:innen aus der Wissenschaft - um über die Zukunft der Linken zu diskutieren. Über Wege aus der Krise der vergangenen Jahre. Darüber, wie sich die Sozialdemokratie neu erfinden und sich gegen rechte und rechtspopulistische Parteien durchsetzen könne, die mittlerweile traditionell "rote" Wählerschichten ansprechen. Wie kann die Sozialdemokratie vor allem die Arbeiter:innen zurückgewinnen?

"Wir müssen zeigen, wie es besser geht", plädierte Sánchez und versuchte Optimismus unter den Delegierten zu verbreiten. Auch Selbstkritik war auf der Konferenz zu hören. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva klagte darüber, dass die Linke selbst zu lange an die "leeren Versprechungen des Neoliberalismus" geglaubt habe. Man habe ökonomische Probleme selbst geschaffen und es damit den Rechten zu leicht gemacht, sagten weitere Konferenzteilnehmende in Barcelona. Die Antwort darauf laute, auf Themen zu setzen, die die Menschen bewegen, wie die Leistbarkeit von Miete, Lebensmitteln und Energie.

Österreichs Vizekanzler und SPÖ-Bundesparteivorsitzender Andreas Babler war ebenfalls nach Barcelona gereist. Sein Fazit postete er auf Facebook: "Wir stehen für Demokratie und Arbeitnehmer:innenrechte". Aber wie sehr fühlen sich die Arbeiter:innen von der Sozialdemokratie heutzutage vertreten - von jener Bewegung, die zur Zeit der Industrialisierung mit dem 1. Mai einen Festtag für die internationale Arbeiterschaft schuf?

Die zentrale Forderung der ersten Mai-Kundgebungen im Jahr 1890 war der Achtstundentag. In den folgenden Jahren kamen soziale Absicherung und politische Rechte als Themen dazu. Der 1. Mai symbolisierte ein Selbstbewusstsein der arbeitenden Klasse. Wie ist das heute?

Wer sind die "Arbeiter:innen"? Was bewegt sie in einer Arbeitswelt, die große Umbrüche erlebt? Was beeinflusst ihre politischen Einstellungen? Welche Erwartungen haben sie an die Parteien und welche Antworten liefern diese?

Marina Wetzlmaier spricht darüber mit Eric Miklin, assoziierter Professor für Österreichische Politik in vergleichender europäischer Perspektive an der Universität Salzburg, und dem Politikwissenschaftler und Soziologen Paulus Wagner, der sich in mehreren Forschungsprojekten mit dem Verhältnis von Arbeit und Politik befasst.

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