US-Militär-Boeing C-17 Globemaster, Wiesbaden

APA-IMAGES/DPA/ANDREAS ARNOLD

Punkt eins

Ami go home?

Trumps Truppenreduktion und was das US-Militär in Europa tut und lässt. Gast: Michael Zinkanell-Süss, Direktor Austria Institut für Europa- und Sicherheitspolitik (AIES). Moderation: Xaver Forthuber. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

US-Präsident Donald Trump und sein Verteidigungsminister Pete Hegseth fühlen sich von Europa im Stich gelassen - praktisch seit Beginn seines Iranfeldzuges lästert der US-Präsident über "Feigheit" und Unverlässlichkeit seiner europäischen Alliierten. Die hatten sich geweigert, sich im laufenden Krieg an der Überwachung der Straße von Hormus zu beteiligen. Die USA reagieren mit militärischem Liebesentzug: Trump kündigte an, die in Europa stationierten US-Truppen deutlich zu reduzieren. Demnächst sollen 5.000 US-Soldat:innen aus Deutschland zurückgeholt werden, in weiterer Folge "noch sehr viel mehr".

Die Ankündigung kam nach einer Meinungsverschiedenheit zwischen Trump und Deutschlands Bundeskanzler Friedrich Merz von der CDU über die Sinnhaftigkeit der US-Kriegsführung in Iran. Auch Italien und Spanien, die den US-Präsidenten mit aus dessen Sicht mangelnder Unterstützung verärgert hatten, erhielten ähnliche Drohungen. Ende des vergangenen Jahres waren nach Angaben des Pentagon rund 86.000 amerikanische Soldat:innen in Europa stationiert, davon etwa 35.000 in Deutschland. Dort befindet sich unter anderem das Hauptquartier der US-amerikanischen Streitkräfte in ganz Europa, die NATO-Kommandozentrale für die militärische Luftraumüberwachung aller europäischen NATO-Partner, Satelliten-Relaisstationen, über die Drohneneinsätze gesteuert werden, zudem Ausbildungskommandos, Militärkrankenhäuser und Flugplätze. Der bekannteste und einer der Hauptstützpunkte ist die Ramstein Air Base in der Nähe von Kaiserslautern in Rheinland-Pfalz.

In Vilseck im Norden Bayerns befindet sich das 13.000 Soldat:innen starke 2. US-Kavallerieregiment, das als so genanntes Stryker Brigade Combat Team aufgestellt ist: Eine schnelle Eingreiftruppe mit Flugabwehr, Artillerie, Radpanzern und Pionieren. Laut Informationen des Bayerischen Rundfunks soll es bei Trumps Rückzugs-Plänen vor allem um diese Einheit gehen, die nicht unmittelbar den geopolitischen Interessen der USA diene, sondern in erster Linie als Reaktion auf den Ukraine-Krieg in Europa präsent sei.

Ähnliche Pläne hatte Trump bereits in seiner ersten Amtszeit geäußert - Joe Biden hatte sie dann aber nicht weiter verfolgt, doch sein Vorgänger und Nachfolger Donald Trump bleibt bei seiner Linie. Bereits im Herbst hatten die USA Soldat:innen aus Rumänien abgezogen. Die scharfe Drohung von Anfang Mai brachte EU und NATO dennoch ins Schwitzen. Im Übrigen wackelt auch die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen auf deutschem Boden, die 2024 zwischen Olaf Scholz und Joe Biden vereinbart worden war. Sie hätten explizit "dem Schutz und der Abschreckung" gegen Russland dienen sollen. Dass sie nun offenbar doch nicht kommen, dürfte noch schwerer wiegen als die mögliche Truppenreduktion.

Ein Strategiewechsel in der NATO sowie in der ganzen europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik dürfte angesagt sein. Ein solches Umdenken ist aber angesichts der neuen transatlantischen Verhältnisse wohl ohnehin überfällig. Wie hat die Zusammenarbeit und das Zusammenleben mit der US-amerikanischen Militärpräsenz in Europa bisher funktioniert - und wie wird es weitergehen? Wie stellt sich Europa künftig auf?

Michael Zinkanell-Süss, der Direktor des österreichischen Sicherheitspolitik-Thinktanks AIES, ist zu Gast bei Xaver Forthuber. Reden Sie mit: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

Sendereihe

Gestaltung

  • Xaver Forthuber