Ö1 Hörspiel

Brechts "episches Theater" als Hörspiel

"Das Verhör des Lukullus". Von Bertolt Brecht

Am historischen Fall des römischen Feldherrn Lukullus (117-56 v.Chr.) entwickelt Brecht eine Art der Geschichtsschreibung, in der nicht die Sieger das letzte Wort behalten, sondern die Opfer. Das Staatsbegräbnis, mit dem das Imperium seinen Feldherrn ins Reich der Toten verabschiedet, das Fries seiner Taten, das es für die Nachwelt aufstellt, stehen in scharfem Kontrast zu den Fragen, die im Reich der Schatten an den gefeierten Helden gestellt werden. In der exemplarischen Demontage eines Kriegshelden wird hier der Geschichte im buchstäblichen Sinne der Prozess gemacht. - Einige Wochen nach Kriegsausbruch 1939 abgeschlossen, wurde "Das Verhör des Lukullus" während der deutschen Westoffensive 1940 vom schweizerischen Landessender Beromünster urgesendet und nach Kriegsende mehrfach im Rundfunk produziert.

Brechts von ihm als "Radiostück" konzipiertes "Verhör des Lukullus" ist ein Beispiel für das von ihm geprägte "Epische Theater". Wie schon in dem Gedicht "Fragen eines lesenden Arbeiters" aus dem Jahre 1935 findet sich auch in "Das Verhör des Lukullus" die Grundidee Brechts, dass Geschichte aus der Sicht der Menschen und nicht aus der Sicht der Herrschenden geschrieben und bewertet werden müsse. "Das Verhör des Lukullus" wurde 1965 von Radio Wien produziert und in der Radioreihe mit dem Titel "Funkstudio für das literarische Experiment" gesendet.

Mit Hanns Obonya (Ausrufer), Ernst Meister (fahle Stimme), Dorothea Neff (Stimme einer alten Frau), Heinz Moog (Lukullus), Andreas Wolf (Sprecher des Totengerichtes), Benno Smytt (Totenrichter), Josef Henrichs (Lehrer), Erika Pluhar (Kurtisane), Joe Trummer (Bauer), Wolfgang Hebenstreith (Bäcker), Hilde Sochor (Fischweib), Aladar Kunrad (König), Herta Marein (Königin), Fritz Muliar (Koch) u.a., Musik: Norbert Pawlicki, Regie: Friedrich Langer (ORF-W 1965)

Sendereihe

Gestaltung

  • Kurt Reissnegger

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