Helmut Lethen

APA-IMAGES/DPA/ARNO BURGI

Menschenbilder

Helmut Lethen, Forscher und Autor

Über die Freiheit, zwischen "Lagern" zu wandern. Der Germanist und Kulturwissenschaftler Helmut Lethen.

Inzwischen ist er deutlich über 80. Als er auf die Welt kam, hieß Mönchengladbach noch München Gladbach, damals im Jahr 1939. Mit 20 ging er zur Bundeswehr; wie sein Bruder und sein Vater war er Leichtathlet, er studierte Germanistik in Berlin, war ein Teilnehmer der Studentenrevolte. Auf Umwegen über revolutionäre Ambitionen ist Helmut Lethen schließlich nicht nur Universitätsassistent an der Freien Universität in Berlin geworden, sondern auch Professor in Utrecht, in Rostock und Linz. Er war auch Direktor des Internationalen Forschungszentrums für Kulturwissenschaften (IFK) in Wien, zuständig für einen Wissenschaftszweig, den er selbst mitbegründet hatte.

Zehn Monographien hat Helmut Lethens verfasst und unzählige weitere Texte in den vielen Jahrzehnten seiner wissenschaftlichen Arbeit. Sein Buch "Verhaltenslehren der Kälte" ist inzwischen in acht Auflagen erschienen, deren Erscheinen sich über drei Jahrzehnte erstreckt. Für die neueste Ausgabe hat er 70 Seiten Nachwort geschrieben, "Fast eine Autobiografie" sagt er dazu. Das Werk beschäftigt sich mit dem Denken von Personen wie Bertolt Brecht, Ernst Jünger oder Helmuth Plessner und zeigt, wie in der Zeit der Weimarer Republik - nachdem Traditionen und Moral ihre orientierende Funktion eingebüßt hatten - Verhaltensweisen durchgesetzt wurden, die auf einen Habitus der Härte und Kälte setzten.

Zuletzt erschien ein Buch über Dostojewskis Großinquisitor und über die Lehren der Stoa in der heutigen Zeit. Gar nichts mit Kälte zu tun hat Lethens Verhältnis zu seiner Familie - ihre Nähe hat ihm nach schwerer Krankheit beim Überlebensprozess sehr geholfen - bei allen weltanschaulichen Unterschieden.

Sendereihe

Gestaltung

  • Petra Herczeg-Rosenberg