ORF/URSULA HUMMEL-BERGER
Gedanken für den Tag
Das Land der Träume
von Fariza Bisaeva, Doktorratsstudentin der Islamischen Religionspädagogik
22. Mai 2026, 06:57
Das Land der Träume ist wahrlich eines der schönsten, das ich je betreten habe. Es zeigt Orte, die auf Karten nicht zu finden sind. Unberührte Natur, die so nicht mehr zu existieren scheint. Menschliche Interaktion, die mehr Respekt und Würde vermittelt, als wir für möglich festgelegt haben.
Es ist kein Land des Sichtbaren, sondern des Möglichen. Nicht für Augen zum Sehen, sondern fürs Herz zum Fühlen - begleitet von der Einsicht, dass nicht alles, was stimmt auch stimmig ist, nicht alles, was Recht, auch richtig. Verstehen wollen hat nicht mehr die alleinige Führung. Erklärungen weichen Verkündigungen. Festgelegte Fakten weichen frei fliegenden Wundern. "So ist die Welt" weicht "so wird sie sein".
Dies gilt es nicht zu verwechseln mit Naivität, Wegschauen oder gar Ignoranz. Es ist mehr eine Reife der Ausrichtung, eine Entscheidung der Orientierung. Ein bewusstes Großes klein und Kleines groß machen. Ein bewusstes Mehr vom Gemochten und Weniger vom Gemussten. Ein bewusstes ins Kühne Wagen. Ein bewusstes Hafen gegen Meer tauschen, bewusstes Unmöglich durch Ermöglichen ersetzen.
Es ist ein Schritt ins Unbekannte, im tiefen Vertrauen und Glauben, dass diese Welt für einen noch viele Wege offenhält. Dass sie es gut mit einem meint. Dass ihr Boden einen überall halten wird, Sicherheit schenkend - auch in unsicher geglaubten Vorhaben. Sogar und besonders in solch einem Abenteuer, das ich Glauben nenne.
