BÜRO BRAUNER
Punkt eins
KI schreibt Romane?
Fragen über die Zukunft der Literatur und der Arbeit von Schriftsteller:innen.
Gäste: Birgit Birnbacher, Schriftstellerin & Clemens J. Setz, Schriftsteller, Übersetzer. Moderation: Philipp Blom. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
27. Mai 2026, 13:00
"Ich bin immer wieder beeindruckt, wie KI meinen Horizont erweitert und mein kreatives Denken vertieft." Dieser Satz der Literatur-Nobelpreisträgerin Olga Tokarczuk sorgte in der vergangenen Woche für erhebliche Kontroversen, mehrere Essayisten und Literaturwissenschaftlerinnen sprachen von einem Sündenfall der Literatur. Die Autorin sah sich schließlich genötigt, eine Klarstellung zu publizieren, in der sie sagte, dass ihr neuer, in diesem Jahr auf Polnisch erscheinender Roman ganz aus ihrer eigenen Feder stammt und sie die künstliche Intelligenz nur zu Recherchezwecken nutzte.
Der Damm zwischen Literatur und künstlicher Intelligenz ist längst gebrochen und das wird zur existenziellen Frage nicht nur für Autorinnen und Autoren, sondern auch für Verlage und ihre Leserschaft. Auch wenn es momentan nur Recherche-Zwecke sein sollten, wie im Falle von Olga Tokarczuk, so hat KI doch längst eine Präsenz in der Arbeit mit Texten etabliert, als Assistent, Übersetzer, Ideengeber und Kritiker.
Was bedeutet das für die Zukunft der Literatur, des Lesens, und für die menschliche Kreativität? Birgit Birnbacher etablierte sich mit ihren Romanen "Wovon wir leben" und "Sie wollen uns erzählen" als eine der herausragenden jungen Autorinnen Österreichs.
Der preisgekrönte Schriftsteller und Übersetzer Clemens J. Setz spricht von generativer KI als einer bedauerlichen, aber nicht mehr aufzuhaltenden Entwicklung. Das Schreiben sei schon lange etwas für einen kleinen Kreis, so Setz in einem Interview und in einem Essay schreibt er: "Zukünftige Generationen könnten sich kopfschüttelnd wundern, wie die frühere Menschheit überhaupt je irgendetwas Authentisches und Aufrichtiges auszudrücken imstande war, wenn sie doch gerade in der Situation der Schrifterzeugung immer so mutterseelenallein war, von niemandem betreut als vom eigenen Gehirn. Wie soll man da überhaupt wissen, was man meint?"
Im Gespräch mit Philipp Blom denken Clemens J. Setz und Birgit Birnbacher über Chancen und RIsiken einer neuen Technologie nach, die zumindest nach Ansicht einiger Wissenschaftler:innen und Entwickler:innen das Potential hat, selbst kreativ zu werden und die mit Sicherheit die literarische Landschaft grundlegend aufmischen wird.
Wer wird noch bereit sein, den Mehrwert für ein von einem Menschen geschriebenes Buch zu bezahlen, wenn ein von KI geschriebener Text vielleicht nicht ganz so gut, aber dafür gratis ist? Wie wichtig ist die Unterscheidung zwischen menschlichen und nichtmenschlichen Texten und gibt es auch Dinge, auf die nur ein Mensch kommen könnte?
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Macht KI in der Literatur Ihnen Sorgen oder ist es eine logische und gute Weiterentwicklung der menschlichen Kreativität? Würden Sie einen Text genauso lesen, genauso darüber lachen und so bewegt sein, wenn KI dahinter stünde?
