Sonny Rollins

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In memoriam Sonny Rollins

Musik aus allen Richtungen mit Andreas Felber. Nachruf auf den 95-jährig verstorbenen Jazzsaxofon-Säulenheiligen Sonny Rollins

"Das perfekte Sonny-Rollins-Album existiert bis heute nicht", pflegte er gerne zu sagen. Und fügte augenzwinkernd hinzu: "Wenn ich ein neues Album herausbringe, hat meine Plattenfirma immer ein Problem. Man weiß, dass ich immer sage: Oh, es könnte besser sein."

Sonny Rollins entpuppte sich in Interviews (wie hier mit dem Autor dieser Zeilen anno 2005) tatsächlich oft rasch als die facettenreiche, mitunter widersprüchliche Persönlichkeit, als die er bekannt war. Galt Rollins doch als jener rätselhafte Gigant des Jazz-Saxofons, dessen instrumentale Brillanz zeit seiner Karriere mit einem irritierenden Hang zu Selbstzweifel kontrastierte, und der sich dem Musikbusiness wiederholt durch Phasen des Rückzugs verweigerte. Bekannt wurde der gebürtige New Yorker einst in den 1950er Jahren: Anfangs als "New Bird" genannter Charlie-Parker-Adept, dann als Virtuose an der Seite von Thelonious Monk und Miles Davis, etablierte er sich mit Alben wie "Tenor Madness" (1956), "Saxophone Colossus" oder "Way Out West" (beide 1957) als wohl bedeutendster Tenorsaxofonist jener Jahre am Jazz-Firmament. Auch, weil der Improvisator Rollins eine bis dato nicht erreichte Tendenz zu motivischer Arbeit und folglich zu gleichsam kompositorischer Schlüssigkeit an den Tag legte. Rollins war zudem einer der wenigen seiner Generation, die Anfang der 1960er Jahre dem aufkommenden Free Jazz interessiert gegenüberstanden, wie die grandiose Aufnahme "Our Man in Jazz" mit Trompeter Don Cherry bezeugt.

In den 1970er Jahren öffnete sich Sonny Rollins dem Rock-Jazz - und erntete dafür durchwachsene Resonanz. Seine Offenheit brachte es auch mit sich, dass er 1981 ein Angebot der Rolling Stones annahm und deren Album "Tattoo You" mit einigen Soli veredelte - sich dann aber weigerte, mit Mick Jagger und Co. auf Tournee zu gehen.

An den Veröffentlichungen der 1990er und 2000er Jahre beanstandeten Kritiker und Kritikerinnen mitunter die doch recht hohe Fallhöhe zwischen der musikalischen Brillanz Rollins', getragen von seinem gewohnt kraftvollen, mächtigen Ton, und der eher durchschnittlichen Performance der ausgewählten Sidemen. Von herausragenden Werken wie dem 1985 veröffentlichten "Solo Album" abgesehen, in dem Rollins seinen bereits Jahrzehnte zuvor formulierten Anspruch einzulösen versuchte, auf dem Tenorsaxofon als Solist zu agieren wie Andrés Segovia auf der Gitarre.

Im Herbst 2010 feierte Sonny Rollins seinen 80. Geburtstag mit einem Konzert im New Yorker Beacon Theatre, bei dem Free-Jazz-Pionier und Saxofonistenkollege Ornette Coleman als Gast auftrat. Zwei Jahre später zog sich Rollins von der Bühne zurück, der Grund waren Atemwegsprobleme, die durch eine Lungenfibrose verursacht wurden. 2014 verkündete er offiziell sein Karriereende. Am 25. Mai ist Sonny Rollins nun im Alter von 95 Jahren in seinem Haus in Woodstock, New York, gestorben. Mit ihm ist die wohl letzte einflussreiche Legende des Jazz der 1950er Jahre für immer von der Bühne abgetreten.

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