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Gedanken für den Tag
Gefährdete Republik
Brigitte Schwens-Harrant, Literaturwissenschaftlerin und Feuilletonchefin der Furche, zum 150. Todestag von George Sand
5. Juni 2026, 06:57
George Sand war eine begnadete Briefschreiberin. Von den 40.000 Briefen, die sie oft spät in der Nacht schrieb, sind etwa 15.000 erhalten. Auch sie zeigen die französische Schriftstellerin als politisch denkende und hellsichtige Zeitgenossin. Zeitlebens hoffte sie auf die Gleichheit aller Menschen innerhalb einer Republik, die das garantierte. Doch die zarte Pflanze Republik war immer wieder gefährdet.
Nachdem am 4. November 1848 die Verfassung der Zweiten Republik verkündet wurde, stand die Frage im Raum, ob Louis-Napoléon Bonaparte als Präsident kandidieren würde. In einem Brief vom 1. Dezember 1848 an Chefredakteure sprach Sand ihm das Recht ab, sich als Kandidat aufstellen zu lassen, da er, so Sand wörtlich, "prinzipiell ein überzeugter Feind der republikanischen Staatsform ist." Und weiter: "Sollte er sich aber dennoch die Freiheit nehmen, sich zu seiner Kandidatur zu bekennen, dann muss Frankreich zusehen, ob es die Monarchie zugunsten der Familie Bonaparte wieder einführen will. Dann soll er sich aber keiner republikanischen Einrichtung bedienen, um am Sturz der Republik zu arbeiten. Nun, bis jetzt hat er als Repräsentant des Volkes geschwiegen, hat sich bei den für das Volk höchst bedeutsamen Wahlen der Stimme enthalten (...). All das sollte diejenigen, die heute so ahnungslos, vertrauensselig und allzu leichtgläubig sind, über seine Absichten aufklären und ihnen eine Ahnung davon verschaffen, was uns bevorstünde, wenn er für die Präsidentschaft kandidieren würde, denn darauf deuten für mich die Umstände hin."
Sand hatte recht: Am 10. Dezember 1848 wird Bonaparte für vier Jahre zum Präsidenten gewählt. Drei Jahre später löst er per Dekret die Nationalversammlung auf und verlängert seine Amtszeit auf zehn Jahre. 1852 beginnt das Zweite Kaiserreich, aus Louis-Napoléon Bonaparte wird Napoleon III.
Service
George Sand, "Briefe", aus dem Französischen übersetzt und herausgegeben von Annedore Haberl, München 2003
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Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: Frederic Chopin 1810 - 1849
Album: FRIEDRICH GULDA: CHOPIN AND BEYOND
Titel: Prelude für Klavier op.28 Nr.4 in e-moll
Gesamttitel: Chopin pour ma douce
Solist/Solistin: Friedrich Gulda
Länge: 02:03 min
Label: Amadeo 4230462 (2 CD)
