"Königin der Nacht" von Lukas Bärfuss

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Radiogeschichten

Lukas Bärfuss über seine empathielose Mutter

In seinem autobiographischen Roman "Königin der Nacht" zeichnet der Autor Lukas Bärfuss ein Portrait seiner Mutter, die keine sein wollte. Gelesen von Robert Stadlober.

Lukas Bärfuss ist ein vielfach ausgezeichneter Schweizer Schriftsteller - unter anderem auch Büchner-Preisträger, Theaterregisseur und Dramaturg. Aufgewachsen ist Bärfuss in einer harten, sexuell aufgeladenen Welt, umgeben von Hochstaplern und Gaunern im Dunstkreis der Prostitution. Er wird unter einem fremden Namen eingeschult, damit er nicht mit seinem kriminellen Vater in Verbindung gebracht wird. Der Vater sitzt im Gefängnis und wird viele Jahre später auf der Straße leben und letztlich dort sterben. Nachzulesen in "Vaters Kiste. Eine Geschichte über das Erben" (2022). Bärfuss' Bruder verstirbt viel zu jung an Suizid. Dem Tod des Bruders widmet sich Bärfuss in dem Roman "Koala" (2014) - ausgezeichnet mit dem Schweizer Buchpreis. In seinem jüngsten - und wohl persönlichsten - Roman "Königin der Nacht" (2026), erinnert sich Lukas Bärfuss nun an seine Mutter. Eine empathielose, hartherzige und ordinäre Frau, die sich nicht um ihr Kind kümmert und ihn als Jugendlichen in die Obdachlosigkeit treibt. Im Alter zieht sie aus den prekären Verhältnissen von der Schweiz in die Dominikanische Republik, wo sie verarmt stirbt.

"Eine Mutter ist, was man nicht loswird.
Auch nicht mit dem Tod.
Eine Geschichte, die nie zu Ende ist und mit dem Sterben erst beginnt."

In diesen Werken erzählt Lukas Bärfuss nicht nur autobiographisches, sondern bereitet auch historische und gesellschaftspolitische Themen auf, in "Königin der Nacht" etwa schreibt er über Kinderarmut und die Bedeutung des Kinderschutzes.

Service

Lukas Bärfuss: "Königin der Nacht. Ein kurzes Buch über meine Mutter", Rowohlt

Sendereihe

Gestaltung

  • Zita Bereuter

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