Fördersystem zum Transport von Sand

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Punkt eins

UN-Bericht: Sand gesucht, tot und lebendig

Das Sand-Dilemma: Nutzungskonflikte um eine strategische Ressource von unterschätztem Wert. Gäste: Ass.Prof. Dipl.-Ing. Dr. techn. Karl Deix, Forschungsbereich Baustofflehre, Werkstofftechnologie, TU Wien & em. Prof. Kay-Christian Emeis, Geologe i.R., Universität Hamburg und Helmholtz-Zentrum Hereon, Institut für Küstenforschung. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Sand - ein wertvoller Rohstoff von strategischer Bedeutung und essenziellem Wert? Ein neuer UN-Bericht fordert weltweit zu einem nachhaltigen Umgang mit Sand auf, denn auch wenn es paradox scheinen mag: Sand wird knapp. Wie kann das sein? Unsere Zivilisation ist wortwörtlich auf Sand gebaut, doch wir brauchen ihn "tot" und "lebendig", mahnt der Bericht - ein Nutzungskonflikt mit dramatischen Folgen.

Kein anderer Rohstoff der Erde wird in solchen Mengen abgebaut wie Sand. Laut UN-Angaben werden jährlich 50 Milliarden Tonnen verarbeitet. Nach Wasser gilt Sand, geologisch eine Gruppe von Lockersedimenten, die sich durch ihre Korngröße definiert, als die wichtigste Ressource. Sand ist überall. Ohne Sand gäbe es keine Häuser, keine Straßen; er versteckt sich in moderner Elektronik, in Glas und Zahnpasta, Farben, Klebstoffen, in nahezu jedem Industrie- und Wirtschaftszweig. Die aus Sand gewonnenen Mineralien, allen voran Silizium, sind die Basis unserer Informationsgesellschaft. Den größten Verbrauch hat die Bauindustrie; Sand ist zentraler Bestandteil von Beton. Unter jedem Kilometer Autobahn liegen 30.000 Tonnen Sand. Laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP verbraucht jeder Mensch weltweit täglich 18 Kilogramm Sand - Tendenz: steigend. Allein der Bedarf an Bausand wird bis 2060 um 45 % steigen. Längst übersteigt die Nutzung die Nachlieferung.

Die Erde verfügt allerdings über beachtliche Sandmengen, allein in den Wüsten - wie kann von einem Sandmangel die Rede sein? Wieso hat das Emirat Dubai, umgeben von Sand, für seine künstlichen Inselwelten marinen Sand aus Australien importiert? Für die Debatte um Sandknappheit muss man wissen, dass zwar reichlich Sand vorhanden ist, allerdings Großteils von der "falschen Sorte": Der Wüstensand ist zu fein und zu rund für die Betonherstellung.

Der dritte UNEP-Bericht zum Thema "Sand und Nachhaltigkeit" ist vor Kurzem erschienen und appelliert an Regierungen und Industrie, Sand jenen essenziellen Wert beizumessen, den er hat. Dabei zeigt sich ein grundlegender Widerspruch: Ist Sand abgebaut und verwertet, ist er de facto verloren; im UNEP-Bericht ist von "totem" Sand zu lesen. Doch wir brauchen Sand auch "lebendig". "Sand ist unser erster Schutzwall gegen den Anstieg des Meeresspiegels, Sturmfluten und die Versalzung küstennaher Grundwasserleiter", so Pascal Peduzzi, Direktor der globalen Ressourcendatenbank von UNEP in einer Aussendung. Sand erfüllt essenzielle Ökosystemdienstleistungen als Wasserfilter, Küstenschutz, Lebensraum und somit auch für die Ernährungssicherheit.

Inzwischen sind 75 % der natürlichen Sandstrände bedroht und auf dem Rückzug, auch weil Küstenbebauungen in die natürlichen Prozesse eingreifen und das Meer ohne Sand mehr Kraft hat, Küsten zu erodieren. In zahlreichen Tourismusregionen werden die Strände mit aus dem Meer gebaggertem Sand wieder aufgeschüttet. Andere Länder erweitern ihr Territorium mit Hilfe von Sand aus dem Meer: Singapur saugt zur Landgewinnung derart viel Sand vom Meeresboden, dass über 80 indonesische Inseln im Meer versunken sind.

Während es in Europa für den Sandabbau Gesetze gibt, ist illegaler Abbau weit verbreitet und ein großes Problem mit katastrophalen Folgen. Von einer Sandmafia ist die Rede, der ganze Küstenabschnitte zum Opfer fallen.

"Es ist ein gefährlicher Irrtum, zu glauben, Sand sei eine schnell nachwachsende Ressource. Das ist er nicht", sagt Kay-Christian Emeis, Geologe und emeritierter Professor der Universität Hamburg. Er hat am Helmholtz-Zentrum Hereon das Institut für Küstenforschung geleitet, ist in seiner wissenschaftlichen Laufbahn weit herumgekommen und hat vielfältige Einblicke in die Sandökosysteme der Meere gewinnen können.

Der aktuelle UNEP-Bericht über Sand und Nachhaltigkeit enthält auch konkrete Handlungsempfehlungen, die von einer Bestandsaufnahme über rechtliche und technologische Maßnahmen bis zu einem Verbot des Sandabbaus in Küstenregionen reichen. Welche Möglichkeiten gibt es, in der Betonherstellung Sand zu sparen? Was sind alternative Baustoffe? Welche Fortschritte machen Recycling und Kreislaufwirtschaft, Stichwort: Urban Mining? Das sind einige der Forschungsfragen von Karl Deix vom Forschungsbereich Baustofflehre und Werkstofftechnologie der Technischen Universität Wien.

Was Sand so begehrenswert und wertvoll macht, wie und wo er abgebaut wird, welche Folgen das hat und welche Wege aus dem Sand-Dilemma führen könnten - Kay-Christian Emeis und Karl Deix sind Gäste in Punkt eins und wie immer können Sie Ihre Fragen stellen: Reden Sie mit: Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at

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Gestaltung

  • Barbara Zeithammer