Johanna Schwanberg

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Gedanken für den Tag

Antoni Gaudí - Gebaut wie gewachsen

Johanna Schwanberg, Direktorin des Dom Museum Wien, zum 100. Todestag von Antoni Gaudí

Was für ein Ort! Als ich das erste Mal vor über 30 Jahren - noch als Studentin - durch den Park Güell gegangen bin, ist er mir fast wie eine Fata Morgana aus einem märchenhaften Traum erschienen. Überall Farbe: Mosaike, die in Blau, Grün, Ocker und Weiß aufleuchten und sich mit dem Licht verändern. Alles scheint in Bewegung. Mauern, Bänke und Wege wirken, als wären sie eher gewachsen als gebaut.

Am Rand Barcelonas gelegen, gehört der Park Güell zu den bekanntesten Werken von Antoni Gaudí und ist heute Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. Zwischen 1900 und 1914 hat Gaudí hier die Idee einer Gartenstadt verfolgt, die jedoch unvollendet geblieben ist. Gerade dadurch ist ein offenes Gefüge entstanden, in dem sich Architektur und Landschaft eng miteinander verbinden.

Mich interessiert vor allem dieses verzweigte, fast rhizomartige Gefüge. Die Wege passen sich dem Gelände an, gabeln sich und eröffnen immer neue Blickbezüge, statt einer klaren Ordnung zu folgen. Ich folge ihnen eher wie durch ein Netz von Möglichkeiten. Dieses Prinzip setzt sich im Material fort. In der Trencadís-Technik hat Antoni Gaudí Keramik-, Glas- und Fliesenfragmente zu schimmernden Oberflächen zusammengesetzt - oft aus Resten, im heutigen Sinne Recycling. So entsteht aus dem Fragmentarischen eine bewegliche, lebendige Oberfläche.

Mich überzeugt dieser Ort gerade durch die Konsequenz, mit der hier die Grenze zwischen Natur und Kunst verschoben wird. Gaudí orientiert sich an Prinzipien des Wachsens und Anpassens. Architektur bleibt zwar ein Gegenüber der Natur, tritt ihr hier aber nicht als Gegensatz entgegen, sondern nähert sich ihren Prinzipien an. Das wirkt heute umso stärker, angesichts einer Natur, die zunehmend unter Druck steht. Nicht zufällig hat Gaudí einmal gesagt: "Nichts ist Kunst, wenn es nicht aus der Natur kommt."

Service

Buch, Kathrin Benz, "Antoni Gaudí. Der Architekt Gottes. Die Biographie", Wbg Theiss 2026

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: John Dowland
Album: Mirrors of time. Tribute Reflections
Titel: Lachrimae antiquae. Pavane für 5 Viole da gamba und Laute
Gesamttitel: Lachrimae, or seaven teares (London, 1604) (Nr. 1)
Leitung: Jordi Savall
Ausführender/Ausführende: Jordi Savall
Ausführende: Hespèrion XX
Ausführender/Ausführende: Christophe Coin
Ausführender/Ausführende: Sergi Casademunt
Ausführender/Ausführende: Lorenz Duftschmid
Ausführender/Ausführende: Paolo Pandolfo
Ausführender/Ausführende: José Miguel Moreno
Länge: 01:10 min
Label: ALIA VOX AVSA9957 EAN: 8435408099578

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