Moritz Schlick

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Der Fall Schlick

Heute im Open Space: Mord auf der Philosopenstiege. Ein Feature über die Ermordung des Physikers und Philosophen vor 90 Jahren.

Am Vormittag des 22. Juni 1936 wird der Philosoph Moritz Schlick auf einer Stiege im Hauptgebäude der Wiener Universität erschossen. Der Täter, Hans Nelböck, ein ehemaliger Student Schlicks, gibt als Motiv an, der Professor habe aktiv sein berufliches Fortkommen behindert. Es kursieren aber rasch Gerüchte, ein Deutschnationaler habe "den Juden Schlick" aus weltanschaulichen Beweggründen umgebracht. Der gebürtige Berliner Schlick hatte den interdisziplinären philosophischen Zirkel "Wiener Kreis" gegründet. Dessen Ziel war eine antimetaphysische, rein wissenschaftliche Weltauffassung. Damit vertrat der Zirkel nicht eine Gegenposition zum Deutschen Idealismus und zum autoritären christlich-katholischen Ständestaat. Zudem wurde die Haltung des "Wiener Kreises" von antisemitischer Seite als "typisch jüdisch" verunglimpft. Und diese Töne verstummten selbst nach der Ermordung Schlicks nicht, obwohl das Opfer gar kein Jude war. Das Attentat bedeutete das Ende des "Wiener Kreises" im Ständestaat, noch bevor die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Im Ausland fiel sein philosophisches Erbe durchaus auf fruchtbaren Boden. (Wh. v. 2016)

Gestaltung: Sabrina Adlbrecht

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