Arena 1976: Zwei Aktivistinnen mit Hund im ehemaligen Auslandsschlachthof St. Marx.

APA-IMAGES/BRANDSTAETTER IMAGES/VOTAVA

Punkt eins

Arena 1976: Ein Hauch von Woodstock in Wien

50 Jahre nach der Besetzung der Arena. Gäste: Isabella Farkasch, Künstlerin, Autorin & Kurt Langbein, Journalist, Autor, Filmemacher. Moderation: Andreas Obrecht. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

ORF Ö1 und andere Medien haben diese Woche eifrig berichtet, im Wien Museum ist am Donnerstag eine Ausstellung zur Arena Wien eröffnet worden: Ein halbes Jahrhundert nach der Besetzung des Geländes des sogenannten Auslandsschlachthofes wird der Geist von damals in Erinnerungen und Analysen beschworen - Solidarität, Basisdemokratie, Selbstverwaltung, Autonomie, avantgardistische Kunst, auch allerlei Rauschinduziertes, kurz die sommerliche Erfahrung einer Freiheit, wie es sie zuvor in dem grauen Wien für junge Menschen und Künstlerinnen und Künstler nicht gegeben hat. Die Hippie- und Aussteigerstadt Christiana existierte in Kopenhagen seit 1971, in Wien führte ein Konflikt zwischen Stadtverwaltung und der "subkulturellen" Szene zu dem selbstverwalteten Experiment Arena-Besetzung, das drei Monate lang existieren durfte.

Am 27. Juni 1976 war die Arena - am Vorabend ihres geplanten Abrisses - noch Spielstätte der Wiener Festwochen, die Gruppe "Misthaufen" trat auf. Und auch am Naschmarkt gab es eine Solidaritätskundgebung mit der Band Schmetterlinge, in deren Verlauf dazu aufgerufen wurde, das Areal nicht den Profitinteressen eines Textilkonzerns zu überlassen. Hunderte marschierten und besetzten die Arena, schnell sprach sich die Aktion herum, am ersten Abend sollen es schon rund zweitausend Menschen gewesen sein, die kamen, um zu bleiben.

Ein einmaliges Experiment alternativer Kunst- und Lebensformen begann - wobei Stadtverwaltung und Polizei sich eine Weile zurückhielten und nicht einschritten. Schüler, Studenten, Arbeiterjugendliche, Hippies, Punks, auch Obdachlose und viele Künstler beiderlei Geschlechts konnten ihrer Sehnsucht nach antiautoritärer Kreativität und Gemeinschaft Ausdruck verleihen. Jeden Abend gab es zudem ein basisdemokratisches Plenum, bei dem jeder und jede ihre Anliegen vorbringen konnten, auch ein Frauen-, Kinder- und Architekturhaus wurden eingerichtet. Viele Jugendliche rissen aus Heimen aus und wurden in der Arena von Sozialarbeitern und Bewährungshelfern betreut. Und der Protest artikulierte sich vor allem auch in der Musik, die Tag und Nacht die "Arenauten" - wie viele sich nannten - begleitete. Auch Prominenz spielte auf, etwa der amerikanische Gitarrist John McLaughlin oder Leonard Cohen nach seinem Auftritt im Wiener Konzerthaus. Nicht nur seine Lieder begeisterten, sondern auch sein legendäres Resümee. "Arena ist the best place in the world!"

Am 30. September 1976 kappte die Stadtverwaltung den Strom, am 10. Oktober begann die Räumung und am 12. Oktober wurde mit dem Abbruch des Areals begonnen. Die friedliche Revolution hatte ein Ende gefunden, aber ein Teil der Besetzerinnen und Besetzer übersiedelte in den kleineren Inlandsschlachthof, der seither und bis heute in Selbstverwaltung eine wichtige Konzertlocation ist. Der Verein Forum Wien Arena, der die Spielstätte betreibt, verbindet widerständiges Selbstbewusstsein mit den Herausforderungen eines professionellen Kulturbetriebes. 50 Jahre nach der Besetzung des Auslandsschlachthofes ist die Arena zu einem international gefragten Vorzeigeprojekt geworden - mit 250 Veranstaltungen und rund 180.000 Besuchern jährlich.

Welche gesellschaftspolitischen Voraussetzungen und Folgen hatte die Arena-Besetzung 1976? Gab es internationale Vorbilder wie Woodstock oder die Hippie-Stadt Christiana? Wäre ein ähnliches Szenario heute auch noch denkbar? Was wurde damals als "Jugendkultur" und "Subkultur" bezeichnet? In welcher Weise hat die Besetzung der Arena zu einem neuen kulturellen und künstlerischen Selbstbewusstsein beigetragen? Wird die Erinnerung an die Arena-Besetzung heute romantisiert? Was erzählt sie über die 1970er Jahre in Wien?

Zu Gast in Punkt eins bei Andreas Obrecht sind der Journalist und Filmemacher Kurt Langbein, der im zehnköpfigen Arena-Komitee damals die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung geführt hat, und die Künstlerin und Autorin Isabella Farkasch, leidenschaftliche Arena-Besetzerin von einst.

Wie immer freut sich die Redaktion über Beteiligung an der Diskussion, telefonisch unter 0800 22 69 79 oder unter punkteins(at)orf.at

Service

Ausstellung:
Arena Wien. Jedenfalls ist es Liebe!
18. Juni - 27. September 2026 in der Community Gallery im Wien Museum - 1040 Wien, Karlsplatz 8

Radio-Tipp: Ö1 Betrifft Geschichte von 15. - 19.06. "Die Arenabesetzung von 1976"

Sendereihe

Gestaltung

  • Andreas Obrecht