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Im Fokus - Religion und Ethik
Weltenbürger ohne Heimat
Aktuell im Fokus: Religiosität als fixer Bestandteil der politischen Kultur in den USA +++ Thema im Fokus: Weltenbürger ohne Heimat - Ein Porträt des 14. Dalai Lama +++ Serie zur "Welt der Göttinnen und Götter": Ishtar, Himmelskönigin oder Liebesgöttin +++ Moderation: Alexandra Mantler
1. Juli 2026, 16:05
Aktuell im Fokus: Religiosität als fixer Bestandteil der politischen Kultur in den USA
An diesem Wochenende feiern die USA den 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung - mit großen Veranstaltungen im ganzen Land und der Hauptstadt Washington. Zwar herrscht in den USA traditionell eine Trennung der vielen verschiedenen Kirchen vom Staat, Religiosität ist aber ein fixer Bestandteil der amerikanischen politischen Kultur. Schon im Mai hatte eine große Gebetsveranstaltung die Feierlichkeiten eingeläutet. Bei der christlich-konservativen Veranstaltung unter dem Motto: "Rededicate 250", auf Deutsch etwa "Neuweihe 250", trat auch Verteidigungsminister Pete Hegseth auf und forderte die Bürgerinnen und Bürger auf, auf Knien für ihre Nation zu beten. Kritikerinnen und Kritiker sprachen von einer unrechtmäßigen Vermischung von Religion und Staat. Markus Müller-Schinwald berichtet aus den USA.
Judith Fürst spricht mit der katholischen Theologin und USA-Kennerin Martina Bär von der Universität Graz über den unterschiedlichen Stellenwert der Religion in der US-amerikanischen und europäischen politischen Kultur, darüber, warum die gegenwärtige Regierung unter Donald Trump christliche Symbolik bewusst einsetzt, sowie über das Demokratieverständnis christlich-evangelikaler und katholischer Wählerinnen und Wähler unter den Republikanern.
Thema im Fokus: Weltenbürger ohne Heimat - Ein Porträt des 14. Dalai Lama
Am 6. Juli 1935 kommt ein Kind zur Welt - Sohn einer Bauernfamilie im Nordosten Tibets. Sein Name Lhamo Thondup. Seit zweieinhalb Jahren lebt man in Tibet damals ohne spirituelles und politisches Oberhaupt: Der 13. Dalai Lama ist im Jahr 1933 gestorben. Aber alle Zeichen, Sterne und Voraussagungen stehen auf Reinkarnation. Der 14. Dalai Lama ist geboren. Und das Leben des jüngsten Bauernsohnes sollte sich für immer ändern.
Dem Verständnis des tibetischen Buddhismus zufolge soll der Dalai Lama die Wiedergeburt von Avalokiteshvara, dem Buddha des Mitgefühls, sein. Seit dem Jahr 1391 reinkarniert der Dalai Lama demnach und wird als Bodhisattva verstanden, als erleuchtetes Wesen, das aus Mitgefühl bewusst wieder in - beispielsweise - die menschliche Existenz eintritt. Obwohl Erleuchtete den Kreislauf der Wiedergeburt verlassen können, geloben Bodhisattvas, ihre Wiedergeburt freiwillig auf sich zu nehmen, um das Leid anderer fühlender Wesen zu mindern. Der Titel "Dalai Lama", übersetzt in etwa "Ozean der Weisheit", wird 1578 erstmals vom mongolischen Fürsten verliehen.
Der 14. Dalai Lama wurde als Zweijähriger als Wiedergeburt erkannt und von dem ausgesendeten Suchtrupp in das Kloster Kumbum gebracht. "Die darauffolgende Zeit war eine ziemlich unglückliche Phase in meinem Leben", schrieb der buddhistische Mönch in seinen Erinnerungen an die Zeit ohne Eltern in der ungewohnten Umgebung. Wie man heute weiß, endet die Geschichte nicht dort. Ein Foto, schwarz-weiß, zeigt ein kleines Kind mit ernstem Gesicht auf einem Thron. Es ist der 22. Februar 1940 und ein Vierjähriger wird offiziell als geistliches Oberhaupt von Tibet eingesetzt. Dem alten Brauch entsprechend gibt Lhamo Thondup seinen Namen auf und nimmt einen neuen Namen an: Jamphel Ngawang Lobsang Yeshe Tenzin Gyatso. Dem heute über 90-jährigen 14. Dalai Lama steht ein turbulentes Leben bevor. Spirituell eng mit Tibet verbunden, hat er seit 67 Jahren keinen Fuß mehr auf den Boden seines Heimatlandes gesetzt. Ein Porträt von Ursula Unterberger.
Serie zur "Welt der Göttinnen und Götter": Ishtar, Himmelskönigin oder Liebesgöttin
Die diesjährigen Wiener Festwochen, die am 21.6. zu Ende gegangen sind, standen bekanntlich unter dem Motto "Republic of Gods" und diskutierten unter anderem den Einfluss von Religion auf Kultur und Politik. Um verschiedenste Göttinnen und Götter geht es auch in der Juni-Rubrik: Diese Woche steht die Himmelskönigin oder Liebesgöttin Ishtar im Zentrum.
