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Punkt eins
250 Jahre USA: Coca-Cola und Ideologie
Als der American Way of Life nach Österreich kam. Gast: Ao. Univ. Prof. Dr. i. R. Reinhold Wagnleitner, Historiker, Universität Salzburg. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
3. Juli 2026, 13:00
Geld und Waren im Wert von 13 Milliarden US-Dollar (heutiger Wert: ca. 155 Mrd. US-Dollar) wurden im Zuge des "European Recovery Programs" - besser bekannt als Marshallplan - von den USA ab 1948 nach Europa transferiert. Österreich bekam 962 Millionen - nicht in Form von Krediten, als Schenkung. Das US-Wiederaufbauprogramm für Westeuropa beschränkte sich aber nicht auf die Wirtschaft. Schnell zog der American Way of Life auch Österreich in seinen Bann.
"Der globale Siegeszug der amerikanischen populären Kultur zählt zu den wichtigsten Entwicklungen des 20. Jahrhunderts. Dieser Triumph hatte mannigfaltige Gründe, von denen die meisten - im Gegensatz zu den vorherrschenden Vorurteilen - in Europa zu suchen sind", schreibt der Historiker Reinhold Wagnleitner in seinem preisgekrönten Buch "Coca-Colonisation und Kalter Krieg: Die Kulturmission der USA nach dem Zweiten Weltkrieg".
Dabei geht es nicht nur um die erwachende Leidenschaft der jüngeren Generation für nun in Europa allgegenwärtige US-Produkte wie Coca-Cola, Kaugummi, Jeans oder Nylonstrümpfe. Sich diese Produkte aus dem "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" zu leisten, war ein für alle sichtbarer Code, sich abzusetzen von der Elterngeneration, "cool" zu sein.
Es ging um mehr, nicht zuletzt um die Deutungshoheit in Form von Bildern: Hollywood brachte Geschichten jenseits des süßlichen, geschichtsvergessenen Heimatfilms. Geschichten, die weltweit verstanden wurden und die Moral mal mehr, mal weniger subtil vor sich hertrugen: "From rags to riches", vom Tellerwäscher zum Millionär konnte man es schaffen, wenn man nur hart genug schuftete oder, im Western, sein Stück Land mit aller Härte und notfalls mit Waffengewalt gegen Wind, Wetter und Indianer verteidigte. Im Zeichentrickgenre hatte es Dagobert Duck erfolgreich vorgemacht, schließlich gehört auch Walt Disneys Universum zur kulturellen Mission der USA in Europa.
Nach dem Zweiten Weltkrieg habe nur ein Land die nötigen Zutaten, die Energie und die Begeisterung gehabt, den Kulturkampf im Sinne seiner Version von Moderne in den Ruinen Europas zu gewinnen, resümiert der Historiker Wagnleitner in einem Artikel unter der Überschrift "The Empire of Fun": die USA nämlich. "Die USA hatten nicht nur den politischen missionarischen Eifer für ihren nachfolgenden Kreuzzug für den American Way of Life, kombiniert mit enormen materiellen Ressourcen, sondern auch eine Populärkultur, die die Massen anzog und viele nationale und ethnische kulturelle Geschmäcker und Unterschiede überwinden konnte."
Anlässlich des Ö1-Schwerpunkts "250 Jahre USA" diskutiert Alexander Musik mit dem Historiker Reinhold Wagnleitner über den Einfluss von US-Kultur und -Lifestyle auf das Österreich der Nachkriegszeit, das Selbstbild der USA und das Bild, das sich Europa von den USA macht.
Wie immer sind Sie eingeladen, sich an der Sendung zu beteiligen. Kostenlos aus ganz Österreich können Sie uns unter 0800 22 69 79 erreichen; oder Sie schreiben uns ein Mail an punkteins(at)orf.at
Warum kamen Moden, Trends und Theorien gefühlt immer nur aus "dem Westen" - oder wurden jedenfalls nur wahrgenommen, wenn sie von dort kamen? Wie lange waren die USA auch politisch noch "cool" und wann änderte sich das Image? Was ist für Sie typisch US-amerikanisch und ist das eher bewundernd oder abwertend gemeint?
Sendereihe
Gestaltung
- Alexander Musik
