Zeit-Ton
Der Briefwechsel von Bachmann und Henze
Ersehnte Gemeinsamkeit: der Briefwechsel und das kollaborative Schaffen von Ingeborg Bachmann und Hans Werner Henze
5. Juli 2026, 20:01
Am 1. Juli 2026 wäre Hans Werner Henze 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass wiederholen wir eine historische "Zeit-Ton"-Sendung aus dem Jahr 2016. Lothar Knessl hat sich damals mit dem Briefwechsel zwischen Henze und Ingeborg Bachmann auseinandergesetzt.
Viel tiefer als gemeinhin vermutet reichte, was Bachmann und Henze verband. Der Komponist schrieb von innig "geschwisterlicher Zuneigung", die Dichterin erhoffte von ihm "brüderliche Rettung". Herzens- und Seelenverwandtschaft offenbart sich im "unfrisiert" publizierten Briefwechsel zweier Persönlichkeiten, die ein gemeinsames Leben wünschten, das sich - als ursprüngliche Vision - der Verwirklichung widersetzte, aber doch zwei Dezennien hindurch zu einem schöpferisch wie emotionell reich bewegten Miteinander führte.
Ingeborg Bachmann, verletzlich labil, bekannte, sie existiere nur, wenn sie schreibe. Fortsetzend ließe sich anfügen, Henze, nach außen hin dank einer Art Renaissancehaltung gefestigt scheinend, jedoch auch er seinem Naturell nach dünnhäutig, existiere nur, wenn er komponiere. (Betrachtet man sein Ouvre der Menge nach, muss man annehmen, er habe ungeachtet seines langen Lebens Tag und Nacht komponiert.) Beiden gemeinsam das verankerte Gefühl, Italien sei ihre eigentliche Heimat.
Ihr Briefwechsel ist der Impuls, an den Gedankenaustausch, das gemeinsame Schaffen zu erinnern: die Opern "Der Prinz von Homburg" und "Der junge Lord", die "Nachtstücke und Arien", die "Lieder von einer Insel"...
