Besucher des Strandbad Gänsehäufel in Wien-Donaustadt

APA-IMAGES/APA/HERBERT PFARRHOFER

Punkt eins

Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt

Klima-Michel, Hitzschlag und Ertrinkungstod, live aus dem Strandbad Gänsehäufel in Wien. Gäste: Priv. Doz. Dr. Dr. Jan Daniel Niederdöckl, Facharzt für Innere Medizin, Notfallmedizin, Medizinische Universität Wien, AKH Wien, Landesverbandsarzt, Österreichische Wasserrettung Wien & Dr. Marc Olefs, Leiter der Abteilung Klimaforschung bei GeoSphere Austria. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Neue Temperaturrekorde in ganz Österreich, neue Spitzenwerte an Hitzetagen und Tropennächten und eine erschütternde Bilanz tödlicher Badeunfälle: Die erste Hitzewelle in Österreich ist vorüber. Sie hat sämtliche Rekorde gebrochen und für große Herausforderungen gesorgt; die politische Aufarbeitung dauert an.

Die bisher beispiellose Hitzewelle hat auch für bittere Erkenntnisse gesorgt: Was früher ein Rekord war, ist heute Normalität. "Die jüngste Hitzewelle passt leider sehr gut ins Bild", sagt Marc Olefs, Leiter der Abteilung Klimafolgenforschung der GeoSphere Austria. Hitzetage werden heißer und häufiger, Hitzewellen intensiver, sie dauern länger und treten früher auf - das beobachtet die Klimafolgenforschung seit einigen Jahren in den Messreihen. Weite Teile Südeuropas leiden bereits unter einer neuerlichen extremen Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 42 Grad Celsius. Höchste Zeit, etwas aus den Erfahrungen für die Zukunft zu lernen, denn Hitze gilt mittlerweile als die tödlichste Naturgefahr. Aber was? Werden wir die Sommer bei geschlossenen Fenstern im Dunkeln verbringen müssen?

Hitzewarnungen gewinnen mit Blick auf die gesundheitlichen Risiken immer mehr an Bedeutung. Dafür ist nicht nur die Lufttemperatur entscheidend, es kommt auf die gefühlte Temperatur an, um die Hitzebelastung für den Körper auszudrücken. Maßstab dafür ist der "Klima-Michel": männlich, 1,75 m groß, 75 kg schwer, 35 Jahre alt. Ein Idealkörper als Modell für den Wärmehaushalt des Menschen und die Behaglichkeit, der bestimmt, ob die Hitzebelastung im grünen, gelben, orangen oder roten Bereich zu liegen kommt. Aber: Das Michel-Modell ist nicht die Norm.

Säuglinge und Kinder, alte Menschen, chronisch Kranke, Obdachlose, psychisch Kranke und Menschen mit Behinderung sind von hohen Temperaturen besonders betroffen. "Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit oder Übelkeit sind ernste Warnzeichen", sagt der Notfallmediziner Jan Niederdöckl von der Medizinischen Universität Wien, AKH Wien. Hitzeerschöpfung, Sonnenstich, Kreislaufprobleme und Hitzschlag sind gefährliche Hitzefolgen. Seit 2017 gibt es den Nationalen Hitzeschutzplan, der Zuständigkeiten, Kommunikationswege und unterschiedlichste Maßnahmen regelt, um die Bevölkerung - vor allem die vulnerablen Gruppen - vor den gesundheitlichen Auswirkungen von Hitze zu schützen. Was passiert bei Hitze im Körper und wann wird sie gefährlich? Wann ist Vorsicht geboten, welche Sofortmaßnahmen helfen, und kann man den Körper auf Hitze trainieren?

Vor allem Herz und Kreislauf werden durch Hitze stark belastet, sagt Jan Niederdöckl, umso gefährlicher, wenn man überhitzt zur Abkühlung ins Wasser springt. Der Notfallmediziner engagiert sich als Landesverbandsarzt bei der Österreichischen Wasserrettung Wien. Bereits über eine Million Badegäste strömten heuer in die Bäder; die Hitzewelle Ende Juni hat allein schon statistisch das Risiko tödlicher Badeunfälle erhöht. Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KVF) zählte bis Montag, 29. Juni, 25 Todesfälle beim Schwimmen. "Es passiert viel und das aus ganz unterschiedlichen Gründen", sagt Jan Niederdöckl.

Das Strandbad Gänsehäufel im 22. Bezirk in Wien ist das mit Abstand größte Freibad Wiens mit einer Kapazität von bis zu 33.000 Badegästen und einer Fläche von 33 Hektar. Am letzten Juni-Wochenende ereigneten sich dort drei Badeunfälle, zwei davon mit tödlichem Ausgang. "Ertrinken geschieht leise", warnt Jan Niederdöckl. Wie wird aus erfrischender Abkühlung plötzlich Lebensgefahr, wo muss man beim Schwimmen besonders aufpassen und wie leistet man erste Hilfe bei Badeunfällen?

Beim Wahrzeichen des Gänsehäufels, dem Uhrturm, nehmen der Meteorologe Marc Olefs und der Mediziner Jan Niederdöckl in dieser Ausgabe von Punkt eins als Gäste bei Barbara Zeithammer Platz und sprechen über die Hitze und ihre Herausforderungen.

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Service

Notrufnummern:
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Feuerwehr 122
Polizei 133

Österreichische Wasserrettung

Sozialministerium: Informationen zum Thema Hitze und Gesundheit, zum Nationalen Hitzeschutzplan und hilfreiche Links

Das Hitzetelefon 0800 880 800 ist von Montag bis Freitag von 6 bis 22 Uhr, Samstag von 8 bis 20 Uhr und Sonntag von 8 bis 18 Uhr erreichbar

Warnungen der GeoSphere Austria

Umweltberatung: Kühle Räume im Sommer

Sendungshinweis:
16.7. Am Puls live aus dem Gänsehäufel: Der große Ö1 Haut-Check

Sendereihe

Gestaltung

  • Barbara Zeithammer