Vom Leben der Natur
Kraut und Rüben in den Bergen
Die Biobäuerin Sabine Prenn spricht über die Vielfalt der Kulturpflanzen in der kleinteiligen Landschaft Südtirols.
15. Juli 2026, 08:55
Über Jahrtausende ist im Pustertal durch Anbau, Auswahl und Weitergabe von Saatgut eine Vielfalt landwirtschaftlich genutzter Kulturpflanzen entstanden. Gerade in Südtirol haben sich viele lokale Sorten entwickelt, in Zusammenhang mit Landschaft, Höhenlage, Klima und Alltagsküche. Besonders in Tälern und Grenzlagen, in denen nicht jede Standardsorte zuverlässig wächst, konnten sich Pflanzen behaupten, die an bestimmte Böden, Temperaturen und Nutzungsweisen angepasst sind.
Lokale Sorten liefern oft keine Höchsterträge, können aber unter wechselnden Bedingungen stabiler sein, weil sie genetisch nicht völlig einheitlich sind. Diese Vielfalt macht sie für Landwirtschaft, Ernährung und Anpassung an veränderte Umweltbedingungen interessant.
Erhalten werden solche Sorten nur, wenn sie weiterhin angebaut, vermehrt und genutzt werden. Dazu gehören etwa Kohlrüben, Krautrüben, lokale Mohnsorten, Weißkraut, Erbsen oder Spinat. Viele dieser Pflanzen sind mit bestimmten Gerichten verbunden: Rübenkraut, Mohngebäck, Krapfen, Suppen oder traditionelle Teigwaren.
Die Nutzung in der Küche ist dabei kein Nebenaspekt, sondern Teil der Erhaltung. Sorten, die nicht mehr gegessen werden, verlieren auch ihre praktische Bedeutung. Samenfeste Sorten können weitervermehrt werden, sie bleiben dadurch nicht nur in Sammlungen erhalten, sondern im Kreislauf von Aussaat, Ernte, Auswahl und Weitergabe.
Kulturpflanzenvielfalt gestaltet gleichzeitig ein soziales System: Saatgut wird getauscht, beschrieben und mit Erfahrungen verbunden. Wann wird ausgesät? Wie wird geerntet? Welche Sorte eignet sich für welches Gericht? Wer Saatgut weitergibt, gibt auch Wissen, Herkunftsgeschichten und die Nutzungsmöglichkeiten weiter.
Die Erhaltung lokaler Sorten ist also nicht mit einzelnen Betrieben allein verbunden, sondern hängt an vielen Menschen: an Bäuerinnen und Bauern, Gärtnerinnen und Gärtnern, Köchinnen und Köchen, Familien, Märkten, Vereinen und Konsumentinnen und Konsumenten.
Die Vielfalt bleibt dort lebendig, wo sie angebaut, gegessen, weitergegeben und immer wieder neu in den Alltag eingebunden wird.
Gestaltung: Lothar Bodingbauer
Service
Gesprächspartnerin:
Sabine Schrott Prenn
Bäuerin, Gärtnerin und Saatguterhalterin am Felderhof in Uttenheim, Südtirol
Arbeitsschwerpunkte: Kulturpflanzenvielfalt, Südtiroler Lokalsorten, samenfestes Saatgut, Saatgutvermehrung, bäuerliche Wissensweitergabe und Nutzung lokaler Sorten in der Alltagsküche.
Felderhof
"Südtirol- das Land der Mitte" wird in der Reihe Universum-Nature am 18.August in ORF 2 ausgestrahlt und ist auf ORF ON nachzusehen.
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