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Punkt eins
Wie kann man sich ein "liberales Hirn" antrainieren?
Über Debatten mit Andersdenkenden. Gast: Dr. Liya Yu, Philosophin, Politikwissenschaftlerin und Autorin. Moderation: Andrea Hauer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
21. Juli 2026, 13:00
Warum sind Menschen intolerant, fremden- und frauenfeindlich, obwohl sie doch wüssten, dass diese Haltungen in einer gut funktionierenden Demokratie falsch seien, fragt die deutsche Politikwissenschaftlerin und Philosophin Liya Yu in ihrem jüngsten Buch "Hirn statt Moral". Und sie fragt ihr Publikum: Glauben Sie, dass Kinder rassistisch sein können?
Das menschliche Gehirn sei "keineswegs böse", schreibt Liya Yu unter Einbeziehung neurowissenschaftlicher Forschung, von Geburt an unterscheide es aber verschiedene Hautfarben und bevorzuge die der engsten Bezugspersonen. Evolutionär gesehen, habe das Sinn ergeben: kleinste soziale Gruppen mussten um ihr Überleben kämpfen.
Liya Yu, die sich "neuropolitische Philosophin" nennt und Tochter von chinesischen Einwanderern ist, schlägt vor, diese "Hirnrealität" anzuerkennen, statt die "Moralkeule" zu schwingen und Menschen, die nicht offen und nicht liberal sind, zu verurteilen, sie sogar zu "entmenschlichen". Solange eine Gesellschaft das nicht tue, habe sie "keine gemeinsame Sprache". "Unser Gehirn" hinke einer modernen, sich im Wandel befindlichen Welt hinterher, Toleranz und Resilienz müssten erst "antrainiert" werden.
Wie kann das gelingen, etwa in Debatten über Zuwanderung und Klimawandel? Lässt sich ein "liberales Hirn" kultivieren - auch in Diskussionen über Ressourcenknappheit? Sichert "Neuropolitik", die auf Hirn und nicht auf Moral setzt, tatsächlich den gesellschaftlichen Zusammenhalt, wie Liya Yu meint? Und wieviel Chance hat diese Politik, wenn Demokratiefeinde genau das nicht wollen: ein Miteinander?
Andrea Hauer spricht mit Liya Yu und mit Ihnen. Rufen Sie uns an und reden Sie mit, unter 0800 22 69 79 oder punkteins(at)orf.at.
Service
Hirn statt Moral. Warum nur Neuropolitik den gesellschaftlichen Zusammenhalt sichert. Econ Verlag, 2026.
