Thomas Demand

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Radiokolleg

Positionen in der Kunst (3)

Thomas Demand - Der Tatort-Künstler

Thomas Demand, geboren 1964 in München, wurde mit einer sehr eigenwilligen künstlerischen Strategie bekannt: Er baut Tatort- und Pressefotografien, die Ereignisse von hoher symbolpolitischer Wirkung zeigen, detailgetreu aus Papier oder Pappe nach, um sie dann zu fotografieren. Als Vorlage verwendet er häufig ältere Zeitungsbilder. Anzeichen des dargestellten Ereignisses werden im gebauten Modell systematisch eliminiert; ebenso die auf den Ursprungsfotografien vorhandenen Menschen. Dennoch bleibt der Bildinhalt so markant, dass bei Kenntnis der fotografischen Vorlage das Subjekt eindeutig festgemacht werden kann.
Diese Fotografien, die gewissermaßen einer sekundären Organisation existentieller Gegebenheiten entwachsen, werden dann, nach der Zerstörung des Modells, ausgestellt. Auf diese Weise stellt Thomas Demand im vordigitalen Raum grundsätzliche Fragen nach Authentizität und Illusion, nach Strategien der Wirklichkeitserfassung und nach den Manipulationsmöglichkeiten dessen, was vermeintlich der Fall ist. In einer aktuellen Ausstellung im Wiener MAK mit dem schönen Titel "Räume, die von gestern träumen": Ausgehend von historischen Entwürfen für Kulissen - von Bühnenbildern des Barock bis zur Jahrhundertwende - entwickelte Demand einen Werkzyklus, der eine Auswahl von Modellen aus verschiedenen Theatersammlungen in das Medium der Fotografie überträgt. Die Serie wird begleitet von einer raumgreifenden Wandinstallation und Lichtquellen, die der Künstler selbst entwickelt hat: Vorder- und Hintergrund interagieren, Modell und Idylle, Kulturgeschichte und Gegenwart fügen sich zu einer Inszenierung eines idealisierten Archivs.
Autor: Thomas Mießgang

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