Menschenbilder

Karl Heinz Gruber in memoriam

Forschung als fröhliche Berufung. Zur Erinnerung an den vergleichenden Erziehungswissenschaftler Karl Heinz Gruber

Die Bedeutung des Bildungswegs für den Lebensweg eines Menschen hat er in seiner Biografie selbst erfahren. Karl Heinz Gruber wurde am 15. April 1942 in Steyrermühl als Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Nach der Hauptschule absolvierte er die Lehrerbildungsanstalt - damals eine Aufstiegsleiter für gut lernende Landkinder, wie er schreibt. Viele weitere Stationen folgten: der Unterricht als Volksschullehrer, ein Fulbright-Stipendium für ein Jahr an einer Universität in den USA, Forschungsaufenthalte in Schweden und an der Universität Oxford, Dissertation und Habilitation - bis Gruber 1983 als außerordentlicher Professor, 1986 als Ordinarius auf den Lehrstuhl für vergleichende Erziehungswissenschaft der Universität Wien berufen wurde.

Sein Fach hat seit den 1960er Jahren, als er zu studieren begann, einen Identitätswandel durchgemacht: von der vorwiegend philosophisch-geisteswissenschaftlichen Pädagogik zu einer methodisch vielfältigen Disziplin. Karl Heinz Gruber studierte die Bildungssysteme verschiedener Länder sowohl in der Analyse von Ergebnissen der Bildungspolitik wie auch in der täglichen Praxis, als teilnehmender Beobachter in Schulen in England, Schweden, den USA oder Japan - bei Aufenthalten, die ihn und seinen Blick auf die Welt geprägt haben.

Ein Leitmotiv seiner Forschung war die Chancengleichheit im Bildungssystem und somit auch die Erfahrungen mit der gemeinsamen Schule bis Ende der Pflichtschulzeit in so unterschiedlichen Ländern wie Schweden und Norwegen, Italien und Frankreich. Eine integrierte, differenzierende Gesamtschule ist in der Bilanz von Karl Heinz Gruber zwar nicht die Lösung aller Probleme, aber besser als alle existierenden Alternativen, einschließlich der segregierten Schulsysteme in den deutschsprachigen Ländern.

Zahlreiche internationale Funktionen hatte Gruber inne, im Leitungsgremium des Zentrums für Bildungsforschung und Innovation (CERI) der OECD in Paris und bei der UNESCO in Genf, bei Gastprofessuren und Lehrtätigkeit in Harvard, Hiroshima und wiederholt abermals in seiner zweiten akademischen Heimat Oxford.

2019 beendete Karl Heinz Gruber seine regelmäßigen Vorlesungen und Seminare an der Universität Wien - hat aber damit keineswegs den Ruhestand angetreten. Als Kolumnist und Autor verfolgt er in pointierter, oft persönlicher Weise weiterhin das öffentliche Bekennen, das "profiteri", das im Wort Professor steckt. Ende 2022 erschien sein autobiographischer Rückblick "Vergnügte Wissenschaft. Ein pädagogischer Selbstversuch".

Am 27. März 2025 verstarb Karl Heinz Gruber im 83. Lebensjahr. Die "Menschenbilder" wiederholen eine Sendung vom 16. April 2023, zum 81. Geburtstag des Wissenschaftlers.

Service

Buch:

Karl Heinz Gruber: Vergnügte Wissenschaft. Ein pädagogischer Selbstversuch - Fragmente einer akademischen Karriere. Verlag Bibliothek der Provinz 2022

Link:

Nachruf des Instituts für Bildungswissenschaft der Universität Wien

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Gestaltung

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