Punkt eins

Mehr Eier, mehr Hühnerfleisch

Steigender Fleischkonsum, artgerechte Haltung und Tiergesundheit.Gast: Patrick Birkl PhD, Zentrum für Tierernährung und Tierschutzwissenschaften, Veterinärmedizinische Universität Wien und K&P Hendlhof, Stmk. Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Die weltweite Nachfrage nach Fleisch wächst, vor allem die nach Geflügel. Hühnerfleisch und Eier stehen bei immer mehr Menschen immer öfter auf dem Speiseplan. Auch in Österreich: Pro Kopf werden hier im Durchschnitt jährlich 13,8 Kilogramm Geflügelfleisch gegessen, davon 10,84 kg Huhn. Der Eigenversorgungsgrad liegt bei Hühnerfleisch bei 81 Prozent.

Laut Landwirtschaftskammer erfordere die steigende Nachfrage mehr Mastbetriebe in Österreich. Um den Appetit auf Hühnerfleisch im Land selbst stillen zu können, werden demnach 50 bis 60 neue Betriebe in der Biohühnermast gesucht, in der konventionellen Mast etwa 100. Zusätzlich seien zehn bis 15 Elterntierbetriebe nötig, die Bruteier erzeugen.

Der Trend zu mehr Geflügelfleisch in der Ernährung wird von wissenschaftlicher Seite jedoch zunehmend kritisch beleuchtet: Derzeit werde der Planet von mehr als 20 Milliarden Hühnern bevölkert, Tendenz steigend. Ein aktueller Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) zeigt, dass sich die Fleischnachfrage zwischen 1961 und 2022 global vervierfacht hat, die nach Hühnerfleisch versechsfacht.

Menschen essen heute im Schnitt also sechsmal so viel Hühnerfleisch wie die Generationen der Eltern und Großeltern. Damit ist eine wachsende Belastung für Umwelt und Klima verbunden. Die Landwirtschaft ist nach dem Energiesektor der zweitgrößte Verursacher von Treibhausgasen weltweit. Laut FAO ist die Viehhaltung für 80 Prozent diese Emissionen verantwortlich, auch die Geflügelhaltung. Hinzu kommen die Zerstörung natürlicher Lebensräume, um Pflanzen für Tierfutter anzubauen bzw. Raum für die Tierhaltung selbst zu schaffen, und der große damit verbundene Wasserverbrauch.

Im Zusammenhang mit industrieller Tierhaltung wird auch der großzügige Einsatz von Antibiotika bzw. die Verbreitung von problematischen Krankheitserregern diskutiert. Erst im November vergangenen Jahres wurde ganz Österreich als Gebiet mit erhöhtem Risiko für Vogelgrippe eingestuft, es galt eine Stallpflicht für größere Geflügelbestände. Die Risikoeinstufung wurde im Juni 2026 wieder aufgehoben.

Welche gesundheitlichen Risiken für Tier und Mensch sind mit industrieller Geflügelhaltung verbunden? Wie sieht artgerechte Hühnerhaltung aus? Und welche Rolle spielt die steigende Nachfrage nach Hühnerfleisch und Eiern für die heimische Viehhaltung? Über diese Fragen spricht Marlene Nowotny mit Patrick Birkl, der an der Veterinärmedizinischen Universität Wien zu Haltungsbedingungen und Tiergesundheit von Hühnern forscht und selbst Geflügelbauer ist. Und mit Ihnen: Reden Sie mit - rufen Sie an unter 0800 22 69 79 während der Sendung oder schreiben Sie uns an punkteins(at)orf.at.

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