ÖNB
Betrifft: Geschichte
Das fremdvölkische Kinderheim in Spital am Pyhrn. Mit: Maria Prieler-Woldan, Soziologin und historische Sozialforscherin. Gestaltung: David Winkler-Ebner.
7. August 2026, 15:55
Spital am Pyhrn liegt in Oberösterreich, etwa neunzig Kilometer südlich von Linz. Dorf im Gebirge nennt sich der Ort auf der Website der Gemeinde, und tatsächlich ist Spital umgeben von Bergketten: Im Osten die Haller Mauern, im Westen das Tote Gebirge, im Norden das Sengsengebirge und Bosruck heißt der Gipfel im Süden, der die Grenze zur Steiermark bildet. Bekannt ist die Gemeinde als Wintersportort und als Heimat der Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner. Weniger bekannt ist die Geschichte des Heims für die Kinder "fremdvölkischer" Zwangsarbeiterinnen, das von März 1943 bis Jänner 1945 im hiesigen Gasthof Lindenhof untergebracht war.
Das Heim in Spital am Pyhrn war das erste seiner Art im Gau "Oberdonau" und vermutlich auch das erste von rund dreihundert Heimen im gesamten "Deutschen Reich". Die Kinder osteuropäischer Zwangsarbeiterinnen waren in diesen Heimen unter widrigsten Bedingungen untergebracht, viele von ihnen starben an den Folgen mangelnder Ernährung und Zuwendung. Von ihren Müttern, die in Industrie und Landwirtschaft arbeiten mussten, wurden die Kinder bereits wenige Tage nach der Geburt getrennt.
Nur wenige fanden nach dem Krieg ihre leiblichen Eltern wieder. Viele der Kinder wurden als vermeintliche Waisen in ihre vermutlichen Heimatländer repatriiert. Die Suche nach ihren familiären Wurzeln und ihrer Herkunft blieb oft erfolglos. Die Soziologin und historische Sozialforscherin Maria Prieler-Woldan hat sich dem wenig erforschten Thema der "fremdvölkischen Kinderheime" angenommen, um das Schicksal der Kinder und ihrer Mütter vor dem Vergessen zu bewahren.
Service
Maria Prieler-Woldan: 'Vielleicht hätte ich eine Familie. Vielleicht hat jemand um mich geweint.' Das 'fremdvölkische' Kinderheim in Spital am Pyhrn 1943-1945. StudienVerlag, 2023.
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