ORF/JOSEPH SCHIMMER
Blaue Stunde
Stimme und nichts als die Stimme
Aus dem Kunstradio-Archiv: "Literatur als Radiokunst" - Teil 3
"parkbank" von Ann Cotten (2007)
"Selfcompiler. Ein SprachSoundScape" von Jürgen Berlakovich (2012)
31. August 2026, 21:00
Die Stimme, die Stimme und nichts als die Stimme als Experimentierraum für individuellen poetischen Eigen-Sinn war die Vorgabe der Ö1 Kunstradio Reihe "Literatur als Radiokunst". Im Zeitraum von 1999 bis 2014 entstanden 60 Radiostücke von Autorinnen und Autoren aus Deutschland, der Schweiz und Österreich mit Fokus auf dem sprachlichen und dramaturgischen Experiment. Marie Christin Spatzek und Hans Groiss haben Stücke aus der Reihe ausgewählt und den Literaturwissenschaftler und Kurator von "Literatur als Radiokunst" um einen aktuellen Kommentar gebeten. Weiters werden aktuelle Sound Art Releases des Labels Gruenrekorder vorgestellt.
++
"parkbank" von Ann Cotten
"Was (...) geschieht, wenn sich das Ich aus dem Bild - folglich Sender und Weltempfänger - verliert, demonstrieren die Sprach-Schreck-Momente von Ann Cotten: das minimalistische und metaphysische Spiel auf der parkbank nimmt den Dreh zwischen Schmerz und Scherz." (Chris Zintzen)
"im prozess des verschwindens findet und verliert die frau auf der parkbank eine gewisse kohärenz. das bewusstsein wandert ins absolute und allgemeine, um sich dann wieder an konkreten minimalitäten aufzuhängen, die rede schwankt zwischen innen und außen. zu den konkreten minimalitäten gehören neben den üblichen requisiten wie gliedmaßen, schmerzen und kleintieren auch sprachliche schrecke wie reime, alliterationen und wechsel in der syntaktischen struktur. was relativ einfach klingt, bekommt allzu schnell einen dreh ins metaphysische, gleichzeitig aber auch einen ins scherzhafte. tod und leben in ihrer annäherung bis zur verwechselung sind /der/ kapitale witz der menschheitsgeschichte." (Ann Cotten)
"Selfcompiler. Ein SprachSoundScape" von Jürgen Berlakovich
"Interessanterweise rekurriert (...) der Musiker Jürgen Berlakovich auf den Barthes'schen Begriff der "Körnung der Stimme", welcher hier sehr wörtlich genommen wird: mit Hilfe der elektroakustischen Technik der Granularsynthese wird der angestimmte Text in seine kleinsten Einheiten (grains') zerlegt und neu zusammengesetzt. Die Produktion Selfcompiler. Ein SprachSoundScape untersucht in Text und Methode, wo sich das Ich in digitalen Rechnerwelten situiert." (Chris Zintzen)
"Selfcompiler imaginiert eine literarische und musikalische Sprachbewegung bestehend aus der Indifferenz und dem Gebrabbel - teils sinnvoll und logisch und dann wieder in bewusstlosen Modejargons verfangen - der Datenströme. Eine Reise, eine Prosa durch digitale Zahlen-, Text-, Bild- und Soundlandschaften, dem Mythos des Digitalen auf der Spur, vorbei an Social Networks und intelligenten Schwärmen etc." (Jürgen Berlakovich)
Service
Kunstradio: Literatur als Radiokunst
Chris Zintzen über Literatur als Radiokunst
"parkbank"
"Selfcompiler. Ein SprachSoundScape"
Jürgen Berlakovich
David Velez bei Gruenrekorder
Sendereihe
Gestaltung
- Hans Groiss
