YANNIC STEUERER
Gedanken für den Tag
Jom Kippur
Lea Kalisch, Künstlerin, Sängerin, Filmemacherin und Performerin und Tobias Divack Moss, Rabbiner von Or Chadasch über die hohen jüdischen Feiertage
16. September 2026, 06:57
An den meisten jüdischen Feiertagen gibt es Dinge, die man nicht tun soll, und Dinge, die man tun soll. An Jom Kippur sind die Verbote klar. Nichts essen oder trinken, außer wenn es aus gesundheitlichen Gründen nötig ist. Sich nicht waschen, keine Öle oder Cremes auftragen, keine luxuriösen Schuhe tragen und keinen Sex haben.
Aber die Verbote allein bewirken noch nichts. Sie sollen uns zu dem führen, was wir tun sollen. Erkennen, wo wir selbst zu Unrecht beitragen oder andere unterdrücken, und uns verpflichten, von diesen Wegen umzukehren. Wir lesen eine bekannte Stelle aus dem Buch Jeschajahu Isaiah: Ist das ein Fasten, wie ich es mir wünsche?
Darin erinnert uns der Prophet daran, dass unser Fasten Gott unmöglich wichtig sein kann, wenn wir nicht zugleich großzügig, gerecht und aufrichtig handeln.
Jom Kippur ist ein dramatisches Fest, eine Art Begegnung mit der eigenen Sterblichkeit, eine Todesübung. Man versucht, sich all die wichtigen Fragen zu stellen und zu spüren, was es bedeutet, am Leben zu sein, leben zu dürfen, Fehler zu machen, Schlechtes zu sagen, ja, Mensch zu sein. Man fastet, um sich zu konzentrieren, leer zu werden, unabgelenkt, aber wach im Geist.
Und wenn der Tag dann vorbei ist, tritt eine Ruhe ein, Erleichterung, Dankbarkeit für das Essen.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: unbekannt
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Zishe Landau
Album: Shtetl Neshume
Titel: In der fintster
Ausführende: Lea Kalisch & Der Senster Gob
Länge: 03:51 min
Label: Eigenverlag
