YANNIC STEUERER
Gedanken für den Tag
Äpfel und Honig
Lea Kalisch, Künstlerin, Sängerin, Filmemacherin und Performerin und Tobias Divack Moss, Rabbiner von Or Chadasch über die hohen jüdischen Feiertage
18. September 2026, 06:57
Als ich 21 Jahre alt war, machte ich ein Auslandssemester in Argentinien. An Rosh ha-Schana waren ein Freund und ich in Pumamarca, einem kleinen Dorf nahe der Grenze zu Bolivien. Und wir wollten das neue Jahr feiern, aber wir waren ohne Gemeinschaft. Was konnten wir tun? Mit unserem holprigen Spanisch kauften wir in einem Lebensmittelgeschäft Äpfel und Honig.
Äpfel und Honig gehören zu den bekanntesten Symbolen dieses Festes. Ein Gebet für ein süßes neues Jahr. Einfach einen Apfel zu essen, verband mich mit meiner Familie und mit all den Festessen, die wir über die Jahre gemeinsam erlebt hatten. Das ist das Schöne an Ritualen, dass sie uns über Zeit und Ort hinweg verbinden. Ich nehme mein Judentum mit, wohin ich auch gehe.
Auch für mich ist meine jüdische Identität immer da. Ich lasse sie eigentlich nie zu Hause und sie ist ein sehr starker Teil meines künstlerischen Schaffens. Momentan ist es umso wichtiger, sich mit seinem Judentum zu zeigen. Positiv, stark und strahlend. Unser Neujahrsfest ist auch so. Es hat Tiefe, Stärke und es steckt sehr viel Lebensfreude darin.
Rabbi T. und ich haben beide eine ähnliche Mission: ein freies, großzügiges, freudiges Judentum zu leben und weiterzugeben. Dieses Judentum soll unbedingt in Dialog treten mit anderen Kulturen und Traditionen und dabei stets so offen wie möglich bleiben. Tobias tut dies meist vom Bima heraus, dem Lesepult in der Synagoge, ich von der Bühne und manchmal tun wir es gemeinsam und dann vor allem bei uns am Schabbattisch.
Service
Sendereihe
Gestaltung
Playlist
Komponist/Komponistin: unbekannt, von einer Feldaufnahme 1955
Album: Shtetl Neshume
Titel: Bunos-Ayres
Ausführende: Lea Kalisch & Der Senster Gob
Länge: 04:55 min
Label: Eigenverlag
