Zwischenruf

Hoffnung – Umkehr – Neubeginn

von P. Franz Helm, Steyler Missionar, katholischer Priester und Umweltaktivist

Schöpfungszeit - Von Anfang September bis Anfang Oktober rücken die christlichen Kirchen das Thema Naturschutz ins Zentrum. Ich habe, wenn ich auf den vergangenen Sommer zurückblicke, vor allem eine Assoziation: "Apocalypse Now" ist zurück. Nicht als der Film. Der lief 1979 in den Kinos und hatte eines der US-amerikanischen Traumata zum Thema, den Vietnamkrieg. Nein, die Apokalypse scheint mancherorts anzubrechen durch die gewaltigen, oft unkontrollierbaren Waldbrände, die - je nach Jahreszeit - rund um den Globus toben. Zumindest ist es "Apokalypse Now" für die Betroffenen, die oft binnen Stunden alles verlieren.
Noch scheint es vor allem die anderen zu treffen, nicht uns. Noch haben viele den Eindruck: Ich kann es mir - Gott sei Dank - noch richten. Noch? Mir richten? Und: Wie kommt Gott da hinein?

Gut, "Apokalypse" ist ja auch ein Wort aus der Theologie. Es bezeichnet eine literarische Gattung der Bibel. Nämlich jene Texte, in denen angesichts unhaltbarer Zustände Weltuntergangs-Szenarien entworfen werden. Dabei wird beschrieben, dass die bestehende Ordnung der Welt erschüttert wird. Sie vergeht. Aber Gott greift ein. Er tritt auf und macht alles neu. Biblisch gesprochen: Neuschöpfung. Hoffnung.
Noch wird versucht, die - ich nenne es - "Apokalypse" verheerender Brände regional zu begrenzen. Und das ist auch gut so.

Was ich nicht so gut finde: Dass sich viele zunehmend abschotten und versuchen, es sich irgendwie - für sich selbst - zu richten. Ich bin überzeugt: Ohne einen echten Neuanfang, ohne eine wirkliche Umstellung des Lebensstils und des Wirtschaftssystems, weg von den fossilen Energieträgern, wird die Weltgemeinschaft die Klimakrise und ihre Auswirkungen nicht in den Griff bekommen. Sie muss die - wie ich sie nenne - "apokalyptischen Warnsignale" ernst nehmen.

Viele christliche Gemeinden tun das schon, installieren Photovoltaik und achten auf klimagerechtes Einkaufen. Beim Hinhören auf das Wort Gottes und päpstliche Lehreschreiben wie "Laudato si" wird ja auch klar, dass Umkehr und ein Neuanfang notwendig sind. Aber es gibt auch andere, gegenläufige Trends. Ökosoziales Handeln wird manchmal einseitig als "links" abgetan. Es habe nichts mit dem christlichen Glauben zu tun. Dabei haben unter der Trockenheit des letzten Sommers besonders Bäuerinnen und Bauern gelitten, die politisch in der Regel anders zugeordnet werden. Und dabei hat schon das Erste Testament der Bibel ausdrücklich ökologische Anliegen im Blick und formuliert Gebote zum nachhaltigen Handeln.

Es bleibt spannend und dramatisch. Ja, es ist spannender als ein Krimi. Denn ein Krimi ist Fiktion, und hier geht es um die Realität. Um reale Zukunftschancen für unser Leben auf dem Planeten Erde. Als gläubiger Mensch und Christ würde ich gerne entdecken, wie Gott heute zu uns kommt, um alles neu zu schaffen. Ich würde gerne mitmachen bei dieser Neuschöpfung. Auch, wenn es Veränderung, Abschied vom Alten und Neuanfang bedeutet. Und ich hoffe, dafür viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu haben. Gerade auch solche, die aus der Bibel oder dem christlichen Glauben dafür motiviert sind.

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Arvo Pärt
Titel: Fratres - für Violine und Klavier
Solist/Solistin: Gidon Kremer /Violine
Solist/Solistin: Keith Jarrett /Klavier
Länge: 11:27 min
Label: ECM 8177642 1275

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