APA/HELMUT FOHRINGER
Punkt eins
Sexuelle Gewalt an Kindern: Nicht wegschauen
Wie man sexuellen Missbrauch erkennt und Kinder davor schützt. Gäste: Hedwig Wölfl, Geschäftsführerin und fachliche Leitung von "Die Möwe. Kinderschutzzentrum" & Waltraud Gugerbauer, Geschäftsführerin von ECPAT Österreich, der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Rechte der Kinder vor sexueller Ausbeutung. Moderation: Marlene Nowotny. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
23. September 2026, 13:00
Wie es zu sexuellem Missbrauch an Kindern und Jugendlichen kommen kann, wie man Opfer erkennt bzw. wie man Übergriffe verhindert - diese Themen sind derzeit in der öffentlichen Diskussion omnipräsent. In jeder Schulklasse haben statistisch gesehen bis zu zwei Kinder sexuellen Missbrauch erlebt. Nur ein Teil der Übergriffe wird zur Anzeige gebracht, die Dunkelziffer ist hoch.
Die aktuelle Debatte macht deutlich, dass es beim Kinderschutz und der Missbrauchsprävention großen Nachholbedarf gibt. Was muss getan werden, um Kinder vor sexuellen Übergriffen zu schützen? Wie können Opfer schneller erkannt werden und welche Hilfe brauchen sie? Laut Hedwig Wölfl, klinischer Psychologin und Geschäftsführerin der Kinderschutzorganisation Möwe, sei das Wichtigste, dass jemand im Verdachtsfall reagiert.
Könnte es zu Kindeswohlgefährdung, Gewalt oder sexuellem Missbrauch kommen, dürfe nicht weggeschaut werden, betont Wölfl. Dabei sei es wichtig, nicht vorschnell zu handeln, sondern zunächst spezialisierte Beratungseinrichtungen aufzusuchen. Dafür gibt es in Österreich 40 Kinderschutzzentren oder die örtlich zuständigen Kinder- und Jugendhilfen, bei denen man sich anonym beraten lassen kann. Je früher, desto besser.
Hinweise können plötzliche Verhaltensänderungen bei Kindern sein, wenn sie emotional instabil werden, distanzlos oder weinerlich. Manche zeigen ein auffallend sexualisiertes Verhalten, andere wollen sich nicht mehr berühren lassen. Bei sehr kleinen Kindern können unspezifische Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen auftreten. Entscheidend, das betont Wölfl, sei die Veränderung. Kindern zuzuhören und sie ernst zu nehmen, sei deswegen besonders wichtig.
Mit Blick auf Prävention spielen Aufklärung und sexualpädagogische Arbeit eine wichtige Rolle: Kinder sollten möglichst früh lernen, eigene Grenzen zu erkennen und Grenzüberschreitungen benennen zu können. Und für Institutionen, die mit Kindern arbeiten, brauche es wirksame Kinderschutzkonzepte. Denn zu grenzverletzendem Verhalten, zu Übergriffen und Gewalt könne es überall dort kommen, wo Erwachsene mit Kindern leben oder arbeiten, sagt Waltraud Gugerbauer, Geschäftsführerin von ECPAT Österreich, der Arbeitsgemeinschaft zum Schutz der Rechte der Kinder vor sexueller Ausbeutung.
Wie sehen Qualitätsstandards für solche Kinderschutzkonzepte aus? Wie können Eltern und erwachsene Bezugspersonen möglichen Missbrauch erkennen? Und wie können die Kinder selbst gestärkt und vor sexualisierter Gewalt geschützt werden? Darüber spricht Marlene Nowotny in dieser Ausgabe von Punkt eins mit ihren Gästen Hedwig Wölfl und Waltraud Gugerbauer. Und mit Ihnen: Rufen Sie an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at
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