Kuh auf einer Alm, dahinter Dachsteingebirge

APA-IMAGES/MARTIN HUBER

Punkt eins

Live von der Alm: Kein Sommer wie damals

Zum Dachstein-Almabtrieb eine Bilanz der Almsaison 2026. Gäste: Herbert Walcher sen. und Herbert Walcher jun., Senner, Landwirte und Almbauern, Walcheralm und Walcherhof Ramsau/Dachstein & Anton Hafellner, Bergbauernhof Hafellner vlg. Zeisner, Zeisnerhof, Proleb, Vorstand des Steirischen Almwirtschaftsvereins & Karl Brandner, Landwirt, Köckhof, Obmannstellvertreter, Vizebürgermeister der Gemeinde Sölk. Moderation: Barbara Zeithammer. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Den mächtigen Dachstein im Rücken, festlich geschmückte Rinder, Livemusik, Kulinarik und eine feierliche Stimmung: Wenn morgen, Samstag, der traditionelle Dachstein-Almabtrieb von der Walcheralm stattfindet, ist es ein Höhepunkt des Jahres für Familie Walcher ebenso wie für die zahlreichen Besucherinnen und Besucher in der Region Ramsau. Mit dem Almabtrieb endet im Alpenraum traditionell die Almsaison für Mensch und Tier - und diese war heuer mehr denn je herausfordernd.

Knapp 8.000 Almen gibt es noch in Österreich; sie machen rund ein Fünftel der Gesamtfläche des Landes aus und sind Sommerquartier für jährlich rund 430.000 Nutztiere. Doch es werden immer weniger. Als über Jahrhunderte gepflegte, menschengemachte Lebensräume prägen sie das Landschaftsbild, sind eine zentrale Grundlage für alpinen Tourismus und längst zu einem Symbol für Heimat, ursprüngliche Natur und heile Welt geworden. Der besonders artenreiche Lebensraum, der, angemessen bewirtschaftet, auch die Ressource Boden und die Siedlungen im Tal vor Gefahren wie Murgängen schützt, gerät allerdings zunehmend unter Druck: durch den Klimawandel, durch Nutzungskonflikte, strukturelle Veränderungen und wirtschaftliche Herausforderungen.

Der heurige Sommer hat die Almbäuerinnen und -bauern österreichweit in große Bedrängnis gebracht. Die lange Trockenheit und Dürre seit dem Winter, die Hitze, die vielen Sonnentage. Auf vielen Almen im ganzen Land wurden die Wiesen braun, die Hänge kahl, und die Wasserversorgung für Menschen und Tiere zur Herausforderung. "Die Quellschüttung hat die Tränken für die Tiere heuer nicht ausreichend versorgt. Wir mussten täglich 4.000 Liter Wasser, manchmal sogar 8.000 Liter mit Tankwägen auf die Alm transportieren", erinnert sich Anton Hafellner, Bergbauer in Proleb und Mitglied der Agrargemeinschaft, die die Kletschachalm bewirtschaftet, außerdem Vorstand des Steirischen Almwirtschaftsvereins. Die Steiermark ist das almreichste Bundesland Österreichs. Die Landwirtschaftskammer Steiermark berichtete in den vergangenen Saisonen immer wieder vom frühesten Almauftrieb aller Zeiten. Auch heuer.

In mehreren Bundesländern haben Bauern heuer auch deutlich früher von den Almen abtreiben müssen als sonst, aus Wasser- und Futtermangel. Doch auch im Tal fehlt vielerorts die Grünfutterernte. In mehreren Bundesländern war die Heuernte gering oder fiel ganz aus. Somit gibt es keine Futterbasis für den Winter.

Auch die Vegetation verändert sich grundlegend als Folge des Klimawandels, mit großen Herausforderungen für die Almen und die Bauern: Die Baumgrenze verschiebt sich nach oben; Pflanzenarten breiten sich in Höhenlagen aus, in denen sie früher nicht vorkamen und wachsen schneller, als die Tiere sie fressen können. Almen verbuschen, Flächen verwuchern. Sie offen zu halten, zu "schwenden", ist gerade auf den Steilhängen harte Handarbeit. Doch dafür fehlt vielerorts das Personal.

Was gibt es auf der Alm zu tun? Wie gestaltet sich das Leben dort und wie hat es sich verändert? Welche Möglichkeiten haben die Bäuerinnen und Bauern, sich an den Klimawandel anzupassen? Und welche Gedanken begleiten den Almabtrieb nach diesem Extremsommer?

Wenige Stunden, bevor Familie Walcher traditionell die "Schotten" rührt, eine Nachspeise, die aus der letzten auf der Alm gewonnenen Milch zubereitet wird, und die Musik ab 18 Uhr auf der Walcheralm aufspielt, nehmen sich Herbert Walcher sen., langjähriger Senner, und Herber Walcher jun., Zeit für Punkt eins. Gemeinsam mit Anton Hafellner vom Steirischen Almwirtschaftsverein und Karl Brandner aus dem steirischen Kleinsölk, wo der Almabtrieb von der Tuchmoaralm, auf der Familie Brandner seit 17 Jahren die Zeit von Mai bis September verbringt, bereits am 6. September gefeiert wurde, sprechen sie über diese besonderen Lebensräume, ihren Schutz und Wandel.

Beteiligen Sie sich an dem Gespräch, erzählen Sie uns von den Almen in Ihrer Region, welche Veränderungen bemerken Sie, was verbinden Sie mit der Alm? Ist die Alm vielleicht auch Ihr Arbeitsplatz? Kommen Sie gerne auf der Walcheralm vorbei, bei Schlechtwetter werden wir in die Hütte ausweichen, oder rufen Sie uns an unter 0800 22 69 79, schreiben Sie uns an punkteins(at)orf.at

Service

Familie Herbert Walcher
Walcherhof & Walcheralm
8972 Ramsau am Dachstein

Zeisnerhof
Köckhof

Veranstaltungshinweis:
Dachstein Almabtrieb: Freitag, 25. September 2026 - Samstag, 26. September 2026

Programmablauf:
Freitag, 25. September 2026 ab ca. 18:00 Uhr Schottenrühren und musikalische Unterhaltung auf der Walcheralm

Samstag, 26. September 2026
09:00 Uhr Almfrühstück auf der Walcheralm mit Schmücken der Tiere
11:00 Uhr Start des Almabtriebs entlang der Dachsteinstraße zum Walcherhof
ca. 12:00 Uhr Ankunft beim Walcherhof mit anschließendem "Hoamfoarfest" und musikalischer Umrahmung

Der Eintritt ist frei!

Almwirtschaftsverein Österreich
Steirischer Almwirtschaftsverein

Weitere Almabtriebe an diesem Samstag (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):
Lachtal / Hochegg
Alpbachtal 26.09.2026
Ferienregion Hohe Salve / Hopfgarten 26.09.2026
Thiersee 26.09.2026
Tiroler Oberland / Pfunds Schafe, 25. und 26.09.2026
Gerlos 26.09.2026
Hintertux 26.09.2026
Zell am Ziller 26.09.202
Witterungs- und futterbedingte Änderungen vorbehalten. Bitte immer die aktuellen Informationen beim jeweiligen Tourismusverband einholen.

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