Menschenbilder
Robert Menasse, Autor
Europa weiter denken: Der Schriftsteller Robert Menasse
27. September 2026, 14:05
Zu Sommerbeginn 2026 sitzt der österreichische Schriftsteller Robert Menasse fast täglich vor dem Fernseher und verfolgt die Spiele der Fußball-WM. Die Leidenschaft für das Spiel wurde ihm von seinem Vater Hans Menasse in die Wiege gelegt. Dieser war Zeit seines Lebens Amateur, 1953/54 spielte er in der österreichischen Nationalmannschaft. Dass es dazu kommen konnte, verdankte Hans Menasse einem "Kindertransport", mit dem er als achtjähriges jüdisches Kind 1938 nach England entkam.
Robert Menasse kommt 1954 zur Welt und wächst in Wien auf; er studiert Germanistik, Politikwissenschaft und Philosophie und erlebt als Student die Aufbruchszeit nach 1968 mit einer neuen Debattenkultur in den Kaffeehäusern. Er ist Arena-Besetzer und träumt von einem marxistischen Paradies. Früh gründet er eine literarische Zeitschrift, das "Zentralorgan herumstreunender Germanisten" und dissertiert bei Wendelin Schmidt-Dengler über den "Typus des Außenseiters im Literaturbetrieb" am Beispiel Hermann Schürrers.
In den Jahren 1981 bis 1988 unterrichtet Menasse als Gastdozent am Institut für Literaturtheorie an der Universität von Sao Paolo in Brasilien, wo er weiter an seinen Texten arbeitet. Zu seinen Hauptwerken zählt eine autobiografisch gefärbte Roman-Trilogie: "Sinnliche Gewissheit", "Selige Zeiten, brüchige Welt" und "Schubumkehr", dazu gehören auch Romane, in denen der Autor sich mit Europa und der Europäischen Union auseinandersetzt "Die Hauptstadt", "Die Erweiterung" und schließlich 2026 "Die Lebensentscheidung".
Außerdem entstehen zahlreiche Essays über österreichische Geschichte, Geisteshaltung, Identität und Politik, wie "Das Land ohne Eigenschaften", Die sozialpartnerschaftliche Ästhetik" oder "Dummheit ist machbar". Zentral in Menasses Werk sind die Konzentration auf die europäische und österreichische Geschichte, Fragen der jüdischen Kultur nach der Shoa und die von ihm lange als Hoffnungsprojekt wahrgenommene Europäische Union.
Gestaltung: Sabine Nikolay
