Doron Rabinovici

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Punkt eins

Jüdisch sein nach dem 7. Oktober 2023

Eine Identität zwischen den Fronten. Gast: Doron Rabinovici, Schriftsteller und Historiker. Moderation: Philipp Blom. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at

Nach dem Massaker an mehr als 1.200 Menschen, überwiegend jüdischen Israelis, und der Verschleppung von mehr als 250 Geiseln durch die Hamas am 7. Oktober 2023, reagierte die israelische Regierung mit äußerster Härte und verwandelte den Gaza-Streifen, von dem der Angriff ausgegangen war, in ein Trümmerfeld. Nach Angaben der palästinensischen Gesundheitsbehörde in Gaza, die von internationalen Organisationen bestätigt wurden, starben mindestens 74.000 Palästinenser:innen, viele von ihnen Zivilisten, während dieser Kampagne, deren offizielles Ziel es war, die israelischen Geiseln zu befreien und die militärische Infrastruktur der Hamas zu zerstören. Auch heute dauert die humanitäre Krise im Gaza-Streifen an und es kommen weiterhin Palästinenser:innen ums Leben, während extremistische jüdische Siedler im Westjordanland unter den Augen der Armee und der israelischen Regierung die dort ansässigen Palästinenser:innen attackieren und ihre Lebensgrundlagen zerstören.

Auch das Leben von Jüdinnen und Juden, die nicht in Israel leben und der Politik der israelischen Regierung kritisch gegenüberstehen, hat sich in diesen Jahren radikal verändert. Zum einen werden sie immer wieder für die Politik der israelischen Regierung verantwortlich gemacht und leiden unter dem enormen Anstieg von Antisemitismus und terroristischen Gewalttaten gegen jüdische Menschen und Einrichtungen, andererseits sind sie häufig selbst von einer tiefen Zerrissenheit und Verzweiflung betroffen. Viele von ihnen haben wieder Angst, sich als Jüdinnen und Juden zu erkennen zu geben oder religiöse Symbole zu tragen.

Der in Israel geborenen und in Wien lebende Historiker und Autor Doron Rabinovici spricht und schreibt immer wieder klarsichtig und couragiert über sein Jude-Sein, den wachsenden Antisemitismus und die Notwendigkeit einer fairen und demokratischen Lösung für jüdische und arabische Israelis und Palästinenser. Auch seine Identität und politischen Analysen wurden durch die mörderische Gewalt auf beiden Seiten und die judenfeindlichen Erfahrungen der letzten Jahre aufgewühlt und in Frage gestellt. Philipp Blom fragt Doron Rabinovici, ob und wenn ja, wie sich seine Selbstreflexion, seine Perspektive auf das Land seiner Geburt und auf das Leben in Österreich und Europa in diesen Jahren verändert haben und was das für das Jude-Sein außerhalb Israels bedeutet.

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