Moment
"Uns gibt es nicht": Die Jenischen
Der Kampf um die Anerkennung als Volksgruppe
6. Oktober 2026, 15:30
Früher zogen Jenische in der warmen Jahreszeit umher. Sie verdienten ihren Unterhalt als Messerschleifer und Korbflicker. Den "Gadschi", den Nicht-Jenischen, boten sie ihre Arbeitskraft und ihre Waren an. Heute sind die meisten Jenischen sesshaft, "Betonjenische". Der Europäische Jenische Rat schätzt ihre Zahl in Europa auf 500.000.
Dass wenig über die Jenischen bekannt ist, hat nicht nur mit ihrer mündlichen Erzählkultur zu tun. Ihre Geschichte ist eine Geschichte der Ausgrenzung. Durch ihre mobile, selbstbestimmte Lebensweise gerieten Jenische immer wieder ins Visier der Behörden. Lange vor dem Nationalsozialismus wurden sie als Kriminelle, als "arbeitsscheues Gesindel" und "Landplage" gebrandmarkt. Im Dritten Reich wurden sie als "Asoziale" verfolgt und ermordet.
Die Angst vor Stigmatisierung und Verfolgung sitzt tief. Bis heute verstecken viele Jenische ihre Herkunft.
"Um diskriminiert zu werden, mussten die Jenischen nie beweisen, dass es sie gibt, um anerkannt zu werden, schon", sagt Heidi Schleich vom Verein zur Anerkennung der Jenischen in Österreich und Europa. Seit Jahren kämpft der Verein für eine Anerkennung der Jenischen als eigene Volksgruppe. Mit dem Jenischen Archiv in Innsbruck und Veranstaltungen wie dem "Jenischen Kulturtag" versucht der Verein, die jenische Geschichte, Sprache und Kultur aufzuarbeiten und sichtbar zu machen.
Diese Sendung ist Teil zwei der Schwerpunktwoche "Volksgruppen".
Gestaltung: Georg Pöchhacker
Service
Verein zur Anerkennung der Jenischen in Österreich und Europa:
https://www.jenische-oesterreich.at/
