MARIA FRODL
Pasticcio
Denkmäler
7. Oktober 2026, 08:20
Denkmäler, die die Geehrten unsichtbar machen, gibt es viele. Das hat schon Robert Musil bemerkt. Sie werden vor allem für Tote errichtet, aber nicht ausschließlich: Georg Friedrich Händel wurde schon zu Lebzeiten ein Denkmal gewidmet. Doch nichts ist so einfach, wie es scheint. Manchmal kann ein Denkmal auch mehr Aufsehen erregen, als den Machthabern lieb ist - etwa durch eine Kranzniederlegung vor dem Denkmal für Mendelssohn Bartholdy. Im November 1936 wollte Sir Thomas Beecham mit Musikern des London Philharmonic Orchestra am Mendelssohn-Denkmal vor dem Leipziger Gewandhaus einen Kranz niederlegen. Doch die Nazis wussten das zu verhindern. In einer Blitzaktion ließen sie das Denkmal abmontieren und zerstören - mit der Begründung, das Denkmal für den "Vollblutjuden" habe "öffentliches Ärgernis" erregt.
