Radiokolleg
Im Fluss - die Moldau entlang (4)
Von Prag bis zur Elbe
15. Oktober 2026, 09:05
Die Moldau, musikalisch verewigt von Friedrich Smetana, war zu seiner Zeit ein anderer Fluss als die Moldau, wie wir sie heute kennen. Rund 50 Jahre nach Smetanas Tod entstand der techovice-Staudamm: mit Zwangsarbeit errichtet, ist er ein Beispiel der nationalsozialistischen Protektoratsgeschichte.
Deutsch - einst Amtssprache in Prag - wird hier kaum mehr gesprochen. Dafür teilen sich Einheimische und Tourist:innen einen Treffpunkt: die Ufer der Moldau, begleitet von Live-Musik und tschechischem Bier.
Dazwischen sieht man Angehörige der drittgrößten Minderheit Tschechiens: Vietnamesen. Ihre Wurzeln liegen in den sozialistischen Beziehungen zwischen der Tschechoslowakei und Vietnam der 1970er Jahre, als Arbeitskräfte und Studenten ins Land kamen. Von der ersten bis zur dritten Generation besucht man das außerhalb Prags gelegener riesiges Einkaufsgelände Sapa. Viele haben inzwischen voll integriert Karriere in unterschiedlichsten Berufen gemacht - und spüren dennoch immer wieder ihren Wurzeln nach.
An der Mündung zur Elbe liegt Melnik. In der kleinen Stadt, umgeben von Weinbergen, werden Riesling, Spätburgunder und andere Weine produziert.
Den Schlusspunkt der Reise bildet die Schleuse Horin, im Kanal zur Elbe mit einem wunderschönen Blick auf Melnik gelegen. Die älteste Schwemmanlage Tschechiens und ein technisches Denkmal aus dem Jahr 1902 - mit einem Schleusenwärter, der seinen Beruf leidenschaftlich liebt.
Gestaltung: Ute Maurnböck, Sonja Bettel und Kilian Kirchgessner
