Jacqueline du Pré, 1967

APA-IMAGES/EVERETT COLLECTION

LongPlay

Jacqueline du Pré spielt Elgars Cellokonzert

Kein Werk war so innig mit der Kunst der englischen Cellistin Jacqueline du Pré verbunden wie das trauerumflorte Cellokonzert von Edward Elgar. Ihre Aufnahme unter Sir John Barbirolli hat Plattengeschichte geschrieben.

Kingsway Hall, London, 19. August 1965. Eine Zwanzigjährige nimmt mit ihrem Cello auf dem kleinen hölzernen Extrapodium Platz, das halb links vor jenem des Dirigenten aufgebaut ist, wodurch sie erhöht, gleichsam mitten im Orchester sitzt.

Und dieses Orchester besteht aus, wie es Harley Lovegrove so schön beschreibt, "a whole load of basically old men". Kann das zusammenpassen? Außerdem steckt das London Symphony Orchestra damals in zermürbenden Gewerkschaftsverhandlungen, die Stimmung ist entsprechend angespannt und gedrückt. Trotzdem, die Plattenaufnahme von Edward Elgars Cellokonzert für EMI ist professionell zu erledigen, immerhin unter Leitung des hoch geschätzten Sir John Barbirolli. Aber wie heißt gleich nochmal die Solistin? So gut, wie manche erzählen, kann sie kaum sein .

Doch dann fängt Jaqueline du Pré, denn so lautet ihr Name, mit dem eröffnenden Solo über der sparsamen Begleitung der tiefen Streicher an: Cellotöne von bestürzender Sonorität und Noblesse, gespeist von einer Reife, von einer Lebens- und Schmerzenserfahrung, die niemand von den Anwesenden jemals von einem so jungen Menschen gehört hat.

Musikalisch gibt es mit Barbirolli am Pult da kein Innehalten, keine Unterbrechung für die Mikrofone in diesem Geben und Nehmen, Lauschen und Nachspielen, in diesem faszinierenden Musizieren, das alles rundherum vergessen lässt. Die ersten beiden Sätze gehen in einer Solokadenz ineinander über, danach brandet spontaner Applaus im Orchester auf - damals eine höchst ungewöhnliche Reaktion im Plattenstudio.

Das Aufnahmeteam ruft eine Pause aus. Als danach alle wieder an ihre Plätze zurückkehren, hat sich die Zahl der Anwesenden plötzlich erhöht: Weil da offensichtlich etwas Außergewöhnliches im Gange ist, hat man noch Zaungäste herbeigerufen .

"LongPlay" hört die legendäre Aufnahme neu, die seinerzeit in einer halben Million Exemplaren über den Ladentisch der Schallplattengeschäfte ging und in mittlerweile mehr als 60 Jahren niemals aus dem Katalog verschwunden ist. "LongPlay" leuchtet aber auch dort und da auf den Grund von Elgars bewegendem Cellokonzert - und lässt dabei die traurige Lebensgeschichte der Jacqueline du Pré nicht ganz außer Acht.

Service

Edward Elgar: Cellokonzert e-Moll op. 85
Jacqueline du Pré (Violoncello), London Symphony Orchestra, Sir John Barbirolli (Leitung)
Warner, 1965

Sendereihe

Gestaltung