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Punkt eins
Krawall und Randale
Paris, Mailand, Frankfurt, Zürich: Die Lust an der Zerstörung. Gast: Prof. Dr. Manuel Eisner, Professor der Entwicklungs- und vergleichenden Kriminologie und Direktor des Gewaltforschungszentrums an der University of Cambridge. Moderation: Alexander Musik. Anrufe 0800 22 69 79 | punkteins(at)orf.at
5. November 2026, 13:00
Wenn für diesen Donnerstag in Paris Gewerkschaften und Gelbwesten wieder zu Demonstrationen aufgerufen haben, war lange nicht klar, wo diese stattfinden dürfen: nur am Stadtrand oder doch, wie üblich, in der Innenstadt. Die Behörden befürchten, dass es wieder zu Brandstiftungen, Gewaltexzessen und Plünderungen kommt - so wie in den vergangenen Wochen in mehreren Städten. Das niedergebrannte Rathaus von Limoges wurde zum weltweit bekannten Symbol der Zerstörungswut in Frankreich.
Friedliche Demos wurden seitdem auch in Mailand, Frankfurt oder Köln von jugendlichen, gewaltbereiten Randalierern "gekapert" und deren Ziele damit in Misskredit gebracht. Bilanz in der Halloween-Nacht allein in Frankfurt: 54 Festnahmen, 100 verletzte Polizisten, fünf geplünderte Geschäfte. Auch Feuerwehr und Rettungskräfte wurden attackiert.
"Während eines Krawalls kehrt sich Macht um", sagt der Soziologe und Direktor des Gewaltforschungszentrum an der University of Cambridge, Manuel Eisner, in einem aktuellen Interview mit der "NZZ": "Die jungen Menschen erleben plötzlich ein Gefühl der Kontrolle. Sie können in einer Gruppe von Gleichgesinnten Scheiben einschlagen und plündern. Es ist ein Hochgefühl des Rausches, geboren aus der Intensität des Moments und dem Überschreiten rechtlicher und sozialer Grenzen."
Nun sind Jugendkrawalle in Europa nicht neu: In Zürich lieferten sich Jugendliche und Polizei 1980 Straßenschlachten wegen der Finanzierung eines autonomen Jugendzentrums. 2011 kam es in mehreren britischen Städten zu gewalttätigen Ausschreitungen und Plünderungen, nachdem eine zunächst friedliche Demonstration, die Aufklärung über einen Polizeieinsatz forderte, ausartete. Und in Frankreich kam es im Winter 2005 nach dem ungeklärten Tod zweier Jugendlicher in der Pariser Banlieue zu wochenlanger Randale, die sich im ganzen Land ausbreitete.
Wer sind die Urheber der Krawalle und was treibt sie an? Diffuse politische Motive, Hass, Minderwertigkeitsgefühle? Während in Frankreich Anhänger der extremen Linken und Bewohner der so genannten "quartiers sensibles" ("Problemviertel") identifiziert wurden, ortete der deutsche Innenminister Alexander Dobrindt gewaltbereite linke Gruppen und "Chaoten aus dem migrantischen Milieu".
Alexander Musik diskutiert mit dem Kriminologen Prof. Dr. Manuel Eisner von der University of Cambridge, wo die Ursachen für die Gewaltbereitschaft in den verschiedenen Ländern liegen könnten, welches Verhältnis die Täter zu Staat und Exekutive haben und ob sich das Ausmaß der Gewalt in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.
Wie immer sind Sie eingeladen, mitzudiskutieren: Weshalb ist es in österreichischen Ballungszentren in der Halloween-Nacht vergleichsweise ruhig geblieben? Was tun, damit friedliche Demonstrationen nicht zu Bühnen für gewaltbereite Täter werden? Hilft das Herabsetzen der Strafmündigkeit gegen Jugendgewalt? Rufen Sie in der Sendung an unter 0800 22 69 79 oder schreiben Sie ein E-Mail an punkteins(at)orf.at
