Radiokolleg

Ist das auszuhalten? (2)

Kritik der Toleranz

Nachsicht, Duldsamkeit, Weltoffenheit und Aufgeschlossenheit, Liberalität, Großmut und Großzügigkeit werden oft als Synonyme von Toleranz verwendet. Karl Poppers Toleranz-Paradoxon besagt, dass eine uneingeschränkte Toleranz unweigerlich zu ihrem eigenen Verschwinden führt. Wenn eine Gesellschaft selbst gegenüber den Intoleranten grenzenlos tolerant ist, riskieren die Toleranten, von diesen vernichtet zu werden. Aber ist das nicht ein Widerspruch in sich? Goethe kritisierte, dass reines "Dulden" eine Beleidigung sein könne - für ihn sollte Toleranz nur ein Übergang zur Anerkennung sein. Vielleicht geht es aber eher um Dickhäutigkeit oder ein empfindsames Resonieren anstatt eines lauten Entfremdens? Oftmals wurde der Begriff Resilienz für die Fähigkeit die anderen "auszuhalten" verwendet - dieser Begriff braucht aber ein Update. Rein medizinisch soll es sich zumindest lohnen ausgleichend zu leben und auf andere einzugehen.

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