Radiokolleg

100 Songs: Geschichte wird gemacht (3)

Cesária Évora - Petit Pays (Kap Verde, 1995)

Die kapverdischen Inseln waren für Portugal lange ein Sklavereiumschlagplatz, Hungerkolonie und Migrationsreservoir. Über Jahrhunderte wurde die Diaspora der Inseln deshalb größer als die Bevölkerung daheim. Sie verschlug es vor allem nach Portugal, Frankreich, die Niederlande und in die USA. Durch diese Länder tourte auch Cesária Évora, als sie nach dunklen Jahren, die von Alkoholismus und Depressionen bestimmt waren, wieder als Sängerin auftrat. Ende der Achtziger Jahre hatten sich einige Plattenlabels geeinigt, dass sie ihr Repertoire künftig mit dem Begriff "World Music" vermarkten wollten. Dadurch wurde nicht zuletzt auch die Musik der Kapverden - insbesondere die Morna - bekannt. Cesária Évoras Song "Petit Pays" von 1995 war zunächst eine schlichte Liebeserklärung an die Heimat. Sein Kreol-Text beschrieb das kleine, arme Land als einen Stern, der nicht leuchtet, ein Sandkorn, das nicht nass wird und seine drückende Unsichtbarkeit. In diesen Jahren begann der Stern der Inseln langsam zu leuchten - aufgrund politischer Stabilität, wachsendem Tourismus wie auch durch die Stimme von Cesária Évora. 2019 wurde die Morna schließlich offiziell Teil des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO.

Gestaltung: Stefan Niederwieser
Co-Host: Robert Stadlober

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