Radiokolleg
Vom Verschwinden des Musikjournalismus (1)
Das Ende vom Lied
16. November 2026, 09:45
"Aus dem Bedeutungsmonolithen Musikpublikation ist ein Kieselstein geworden" befand das österreichische HipHop-Magazin "The Message" anno 2026. "Denn die Gatekeeper-Funktion des Musikjournalismus ist weitgehend verschwunden. Früher entschieden Redaktionen mit darüber, welche Musik Aufmerksamkeit bekam. Heute können Künstler:innen direkt veröffentlichen, kommunizieren und eine eigene Reichweite aufbauen. Musikjournalismus ist damit, und das ist die harte Wahrheit, obsolet geworden."
Zitat Ende. Ein nüchterner, ernüchternder Befund. Ist Musikjournalismus tatsächlich tot? Kann sich ein Genre neu erfinden? Braucht es überhaupt einen neuen Musikjournalismus? Wenn ja: wie funktionieren zeitgemäße Alternativen? Hat die seriöse (und auch unterhaltende) publizistische Auseinandersetzung mit Kultur und insbesondere Musik noch eine Zukunft?
Fragen über Fragen. Das "Radiokolleg" sucht einmal mehr Antworten.
"Über Musik schreiben ist wie über Architektur tanzen!" grummelte schon Frank Zappa. Dennoch ist Musikjournalismus - bei aller Kritikwürdigkeit - eine der wesentlichen Schnittstellen zwischen Musikproduzenten und Publikum. Etwa seit der Jahrtausendwende haben sich hier aber essenzielle Parameter verschoben: durch die Krise des Journalismus generell, durch das Internet, durch Google, durch Social Media, neue, kurzatmige Digitalkanäle und andere technische bzw. gesellschaftliche Entwicklungen. Ein Verlust - und, wenn ja, was ergibt sich daraus?
Gestaltung: Walter Gröbchen
