Pilze im Wald

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Diagonal

Freunde mit gewissen Vorzügen. Diagonal zum Thema Pilze

Wissenschaftlich wurden weltweit mehr als 200.000 Pilzarten beschrieben. Schätzungen gehen von rund 2 bis über 5 Millionen Arten aus. Es gibt also noch viel zu entdecken im Reich der Funga +++ Wiederholung von Samstag, 17.05 Uhr

Bei Pilzen denken viele in erster Linie an Schwammerl, vielleicht an Schimmelpilz, Fußpilz, Baumschwämme, die Totholz zersetzen oder Schadpilze in der Land- und Forstwirtschaft. Vielleicht auch an Pilze, die Halluzinationen hervorrufen können oder Pflanzen symbiotisch Nährstoffe aus dem Waldboden liefern.

Dabei konsumieren die meisten von uns täglich irgendetwas, das mit Pilzen hergestellt wurde. Ohne Hefepilze etwa kein Sauerteigbrot, kein Bier, kein Essig und keine Sojasauce. Ohne Pinselschimmel kein Camembert, kein Gorgonzola und kein Penicillin.

Pilze liefern mittlerweile auch Rohstoffe für vegane Würstel und Schnitzel, Farbstoffe und Düngemittel. Sie werden als Ersatz für Leder aus Tierhaut eingesetzt und dienen in der sogenannten "Bioremediation" dazu, Schadstoffe in der Umwelt abzubauen. Intensiv werden die psychoaktiven Inhaltsstoffe von "magischen" Pilzen heute auch (wieder) im Bereich der Psychotherapie und - pharmakologie erforscht und diskutiert.

In der Architektur sollen Pilzmaterialien dazu beitragen, eine Ära nach Stahl und Beton einzuläuten und die enormen CO2-Emissionen der Bauwirtschaft einzusparen. Und was die Schlümpfe immer schon konnten, soll bis 2030 an der TU Berlin experimentelle Realität werden: ein erstes vollständiges Demonstrationshaus aus nachwachsenden Rohstoffen, das mit einem Material aus Pilzen und Pflanzenresten gedämmt sein wird.

Um Pilze ist im vergangenen Jahrzehnt ein regelrechter Hype entstanden, samt "Pilzfestivals", globalen Popstars der Pilzkunde und einer eignen "Mykoästhetik", in der es gerne psychedelisch leuchtet, glitzert und rhizomiert. Jeder Hype ist freilich mit Vorsicht zu genießen, denn die fungale Hochkonjunktur geht auch mit maßlos überdehnten Metaphern, überzogenen Heilsversprechen und fragwürdigen Geschäftspraktiken an und jenseits der Grenze zur Quacksalberei einher.

Die Übergänge sind bisweilen fließend und wohl auch dem Umstand geschuldet, daß Pilze eine vielfältige und noch vergleichsweise wenig erforschte Welt bilden. Lange Zeit war man sich nicht einmal im Klaren, ob sie Flora oder Fauna sind. Tatsächlich sind sie etwas Eigenes.

Diagonal auf Pirsch im Reich der Funga. Mit Beiträgen von Roman Tschiedl, Sonja Bettel und Reingard Diermayr.

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