Diagonal
Zur Person Birgit Minichmayr
Birgit Minichmayr zählt zu den besten und exzessivsten Schauspielerinnen ihrer Generation. Die mächtigsten Theaterregisseure im deutschen Sprachraum wollen sie engagieren und geraten deswegen mitunter heftig ins Streiten.
28. November 2026, 17:05
Eigentlich wollte Birgit Minichmayr Tänzerin werden. Dann Opernsängerin, ein Wunsch, den sie wegen ihres ehemaligen enormen Zigarettenkonsums aufgeben musste.
Die charakteristische Stimme jedoch ist geblieben. Die Oberösterreicherin gilt mit ihrer widerspenstigen Präsenz und intensiven Präzision als Ausnahmedarstellerin.
Die besten Regisseure reißen sich darum mit Minichmayr zu arbeiten. Sie hat unter der Regie von Frank Castorf und Martin Kusej auch in Berlin und München reüssiert.
In "Heldenplatz" von Thomas Bernhard rechnet sie als Mumie einbandagiert und akrobatisch in einem sprachlichen Rundumschlag mit der braunen Vergangenheit Österreichs ab. In Elfriede Jelineks Stück "Burgtheater" verkörpert Minichmayr als Paula-Wessely-Figur in einem exzessiv gekünstelten Deutsch oder besser Burgtheater-Kauderwelsch die Hybris des NS-Mitläufertums einer berühmten Schauspieler:innen-Dynastie.
Seit dem Jahr 2000 hat Minichmayr viermal den Nestroy-Theaterpreis gewonnen. Und für Maren Ades Beziehungsdrama "Alle anderen" mit Lars Eidinger zudem 2009 auf der Berlinale den Silbernen Bären erhalten.
Ende November 2026 ist Minichmayr unter der Regie von Sandra Wollner im Kino zu sehen. Das Familiendrama "Everytime" wurde bei den Festspielen in Cannes in der Sektion "Un Certain Regard" als bester Film ausgezeichnet und in der Vampirkomödie "Die Blutgräfin" zeigt Minichmayr Biss - neben Isabelle Huppert im Oktober auf der großen Leinwand.
Die musikbegeisterte Schauspielerin beeindruckt seit langem auch als leidenschaftliche Pop-Connaisseurin und Sängerin. Mit einem von ihr und dem Elektronik-Musiker Martin Siewert konzipierten Lotte-Lenya-Abend tourt sie regelmässig auf experimentellen Spuren von Brecht und Weill.
Diagonal besucht Birgit Minichmayr auf dem Set ihres nächsten Kinofilms "Im Verborgenen", in dem sie eine rote Widerstandskämpferin spielt, trifft auf sie bei einem Konzert, begleitet sie beim Text einzustudieren und befragt Regie- und Schauspielkolleg:innen was Minichmayrs herausragende Schauspielkunst ausmacht.
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