Radiokolleg
Wenn der Tod vom Himmel kommt (1)
Ballonbomben auf Venedig
30. November 2026, 09:30
Von einer "Entzauberung des Himmels" spricht der Philosoph Peter Sloterdijk im Zusammenhang mit dem Aufkommen der Artillerie im 15. Jahrhundert. Die Militärgeschichtsschreibung datiert den Beginn von Luftangriffen gemeinhin erst später - auf 1849, als habsburgische Truppen das aufständische Venedig mit Ballonbomben angriffen. Unser heutiges Verständnis vom Bombenkrieg hat der 2. Weltkrieg mit seiner großflächigen Verwüstung ganzer Städte geprägt. Die damals begonnene Verwischung von militärischen und zivilen Zielen findet heute ihre Fortsetzung im Drohnenkrieg. Ein "Radiokolleg" über die Geschichte des Luftkriegs und den besonderen psychologischen Schrecken, den diese Form der Kriegsführung hervorruft.
Nach der Niederschlagung der Revolution im Jahr 1848 hielt das damals zum Habsburgerreich gehörende Venedig noch aus. Die Stadt war durch die Lagune vom Meer her geschützt und durch konventionellen Artilleriebeschuss nur schwer erreichbar. Um die Aufständischen auch dort in die Knie zu zwingen, entwickelten die österreichischen Artillerieoffiziere und Brüder Franz und Josef von Uchatius die Idee, Venedig mit Ballons anzugreifen, die unbemannt, aber mit Heißluft gefüllt und mit Bomben bestückt sein sollten. Am 2. Juli 1849 explodierten die ersten dieser Ballonbomben über der Insel Murano. Die militärische Wirkung war gering, der psychologische Effekt dafür umso größer.
Gestaltung: Richard Brem
