ORF/GÜNTHER PICHLKOSTNER
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Showmaster Günter Tolar erzählt aus seinem Leben
Der TV-Star außer Dienst auf ein Leben zurück, das fast neun Jahrzehnte österreichischer Zeit- und Mediengeschichte umspannt: auf Krieg und Neubeginn, auf die Glanzzeiten des Fernsehens, auf Liebe und Verlust, Angst und Befreiung.
12. Dezember 2026, 09:05
Jahrzehntelang gehörte Günter Tolar zu den bekanntesten Gesichtern des österreichischen Fernsehens. Als Moderator von Sendungen wie "Wer dreimal lügt" und "Made in Austria" wurde der Showmaster einem Millionenpublikum vertraut. Dabei hatte er ursprünglich gar nicht vor, Fernsehstar zu werden. Als für "Wer dreimal lügt" kein geeigneter Moderator zu finden war, stellte er sich schließlich selbst vor die Kamera. "Das hat eingeschlagen, bist du deppert", erinnert er sich heute: "Damit hab ich wirklich nicht gerechnet."
Geboren 1939 in Wels, wächst Günter Tolar in der 800-Seelen-Gemeinde Wimsbach in der Nähe vom Lambach auf. Seine Kindheit ist geprägt von Nationalsozialismus und Krieg. Tolars Urgroßvater ist Jude, seine Mutter Lehrerin und überzeugte Sozialdemokratin. 1938 wird Martha Tolar untersagt, weiterhin "arische Kinder" zu unterrichten. Günter und sein Bruder Gerhard erleben Luftschutzkeller und Kriegsende, amerikanische Soldaten und die schwierigen Nachkriegsjahre. 1949 übersiedelt die Familie nach Linz. Früh entdeckt Günter seine Leidenschaft für Musik und Theater. Er lernt Klavier, Oboe und Kontrabass; später studiert er in Wien und findet über Theater und Kabarett schließlich zum Fernsehen.
Doch hinter seiner öffentlichen Karriere gibt es ein zweites Leben. Schon im Gymnasium begreift Günter Tolar, dass er sich zu Männern hingezogen fühlt - in einer Zeit, in der homosexuelle Beziehungen in Österreich noch strafrechtlich verfolgt werden. Lange Zeit verbirgt er seine Homosexualität, bis er sich schließlich 1991 zum Coming-Out entschließt: In einem Interview mit der Illustrierten "News" bekennt sich Günter Tolar auch öffentlich zu seiner sexuellen Orientierung.
"Es war einer der größten Erfolge meines Lebens", erinnert sich der Fernsehstar heute: "Ich bin von einem Vortrag zum anderen eingeladen worden, in ganz Österreich, und auf der Straße haben mir wildfremde Menschen auf die Schulter geklopft." Allerdings waren nicht alle von Tolars Bekenntnis begeistert: "Drei, vier Wochen nach Erscheinen des Interviews habe ich einen Brief vom ORF-Generalintendanten Gerd Bacher bekommen: Ich möge mein unappetitliches Dauer-Outing einstellen, sonst sehe er sich veranlasst, arbeitsrechtliche Schritte einzuleiten oder so ähnlich. In diesem Brief ist auch das Wort "Unternehmensschädigung" gefallen, wenn ich mich recht entsinne." Günter Tolar hat sich vom Mahnschreiben seines Chefs nicht weiter beeindrucken lassen: "Mir war das damals schon so was von wurscht - weil ich gewusst hab: Ich hab das Volk auf meiner Seite."
Heute blickt der TV-Star außer Dienst auf ein Leben zurück, das fast neun Jahrzehnte österreichischer Zeit- und Mediengeschichte umspannt: auf Krieg und Neubeginn, auf die Glanzzeiten des Fernsehens, auf Liebe und Verlust, Angst und Befreiung. Nostalgie ist Tolars Sache nicht. "Das, was hinter mir liegt, sind die fertigen Dinge", sagte er anlässlich seines 80. Geburtstags. "Vor mir liegen die unfertigen."
Titel: DIE TSCHICK-LINI, DAS FERNSEHEN UND DER LANGE WEG ZU SICH SELBST
Der Showmaster Günter Tolar erzählt aus seinem Leben.
Ton: Lukas Linschinger
Redaktion: Eva Roither
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