Gedanken

Lisa Eckhart, Kabarettistin und Autorin

"Jede Rolle ist mir recht, außer die, ich selbst zu sein". Die Kabarettistin und Autorin Lisa Eckhart spricht über Angst als Antrieb, Sprache als Spiel, Weihnachten als Geschmack und die Zumutung, man selbst zu sein.

Lisa Eckhart betritt die Bühne nicht, um sich zu erklären. Sie lässt eine Figur auftreten, die schärfer spricht, als es der Alltag erlaubt, und genauer hinsieht, als vielen angenehm ist. Wer der Kabarettistin und Autorin zuhört, begegnet einer Künstlerin, der Zufriedenheit verdächtig erscheint. "Mir sind die Ängste und die Zweifel allemal lieber als ein bräsiges Glück", sagt Lisa Eckhart. Angst ist bei ihr keine Schwäche, sondern ein vertrauter Begleiter. Über Jahrzehnte gehegte Ängste würden irgendwann "zu guten Freunden".

Dieser Umgang mit Angst prägt auch ihren Blick auf Rollen. Authentizität ist für die gebürtige Steirerin kein Ideal, eher eine Zumutung. "Mir war jede Rolle zu spielen immer recht, außer die, ich selbst zu sein." Wahrheit, sagt sie sinngemäß, sei selten spektakulär genug, um sie einem Gegenüber ungefiltert zuzumuten. Höflicher sei es, zu unterhalten. Daraus entsteht keine bloße Pose. Es ist ein Nachdenken über Distanz und Nähe, über Du und Sie, über Maske und Moment. In einer Zeit, in der viele vor allem an ein möglichst großes Publikum senden, verteidigt Lisa Eckhart das Zwiegespräch. Und damit auch jene Formen, in denen Sprache mehr sein kann als Bekenntnis oder Behauptung.

Am vierten Adventsonntag sinniert die 34-Jährige über politische Korrektheit, über Höflichkeit, soziale Medien und die überschätzte Kategorie der Meinung. Dass heute so viel geschrieben und veröffentlicht wird, ohne dass vorher gelesen wurde, betrachtet sie mit Skepsis. Manchmal wäre ihr lieber: mehr Zuhören, mehr Lesen, weniger sofortiges Hinausrufen. Ihre Sätze sind oft drastisch, aber selten achtlos. Auf der Bühne, sagt sie, mache sie sich wenig Gedanken darüber, ob Worte verletzen könnten. Im Privaten sei sie dagegen "völlig neurotisch", ob sie höflich genug gewesen sei.

Die Mutter eines fünfjährigen Sohnes spricht über das Lachen auf Beerdigungen, über Kinder, die noch "mit einem Fuß in der Dunkelheit" stehen, über Künstliche Intelligenz und über die Frage, was vom Menschen bleibt, wenn ihm immer mehr abgenommen wird.

Und Weihnachten? Auch hier verweigert Lisa Eckhart die erwartbare Wärmeformel. "Weihnachten ist für mich kein Gefühl, sondern ein Geschmack." Zimt, Nelken, Kardamom - das sei ihre Form von Festlichkeit. In diesem Jahr, erzählt sie, wolle sie Weihnachten erstmals ganz allein verbringen. Nicht als Verzicht, sondern als Versuch. Überhaupt sei Alleinsein für sie kein Mangel. "Geteilte Erfahrungen sind halbe Erfahrungen", sagt sie. Dann beschreibt sie mit trockenem Vergnügen den Blick der anderen, wenn sie allein im Restaurant sitzt - und wie Mitleid im Lauf des Abends in Neid umschlagen kann.

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