Wir machen das schon!

Von: Lou Liska | 9. Jänner 2026, 16:00

Das Hörstück kreist um eine scheinbar harmlose Aufforderung: „Schließ die Augen.“ In der Wiederholung und Variierung verschiebt sich ihre Bedeutung, von Intimität zu Instruktion, von Fürsorge zu Kontrolle. In dieser Verschiebung zeigt sich eine zeitgenössische Form von Macht, die nicht verbietet, sondern begleitet. Eine Macht, die nicht laut ist, sondern freundlich, glatt, unauffällig. Sie sagt: Wir kümmern uns. Vertraue uns.

Das Hörstück bewegt sich in einer gesellschaftlichen Atmosphäre, in der Sehen und Gesehen-werden, mithin Sichtbarkeit, zur Pflicht und gleichzeitig zur Überforderung geworden ist. Wer die Augen schließt, entzieht sich dem Zugriff des Sichtbaren. Doch dieser Rückzug bleibt doppeldeutig: Er verspricht Erleichterung und produziert zugleich Auslieferung. Das Hörstück fragt nicht nach Wahrheit, sondern danach, wie bereitwillig wir unsere Wahrnehmung aus der Hand geben, wenn uns versprochen wird, dass alles geregelt und zu unserem Wohle sei.

Formal knüpft die Arbeit an zeitgenössische künstlerische Strategien der Reduktion, der Wiederholung und der Stimme als Machtinstrument an. Der minimalistische Text fungiert weniger als Narration denn als Struktur, in der sich politische Rhetoriken, Care-Sprache und autoritäre Gesten gegenseitig durchdringen. Das Hörstück lädt nicht zur Identifikation ein, sondern zur Irritation: Wer spricht? Für wen? Und zu welchem Preis schließen wir die Augen, und lassen sie geschlossen?

Experimentelles Hörstück
Dauer: 03:30
MP3
Stereo, CBR mode, Bitrate 320 kbps, Sample rate 44100

Mastered mit Reaper 7.11
Musik composed mit MetaSynth CTX 1.5

Webseite
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Social Media Seite
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Übersicht:
Schließ die Augen